Klaus Goldmacher, der 28jährige Kunststudent und AStA-Vorsitzende aus Hamburg, heißt nur so. Denn sonst würden ihm – und seinem Kunst-Kompagnon Francesco Mariotti – nicht 17 000 Mark in der Kasse fehlen.

Die beiden Kunststudenten hatten – nicht völlig ohne eigenes Verdienst – das Glück, vom documenta-Rat zur Beteiligung am "Museum für 100 Tage" nach Kassel eingeladen zu werden, um dort im Auepark vor der ehrwürdigen Orangerie ein ganz und gar unkonventionelles Kunstwerk aufzubauen, 7,5 Meter lang, 7,5 Meter breit und 7,5 Meter hoch. Aus Stahlwinkelprofilen, Ventilatoren, Leuchtröhren, Glühbirnen, Tonträgern und Verstärkeranlagen. Eine ziemlich kostspielige Angelegenheit also.

Geldmacher und Mariotti, nicht halb so weltfremd wie sie aussehen, nahmen sich vier Wochen Zeit, um 24 Besprechungen mit einschlägigen Firmen in Westdeutschland und in Holland zu führen, auf daß man ihnen bei der Verwirklichung ihres documenta-Vorhabens helfe. Die Farbenfabriken Bayer spendeten 105 Makrolon-Kunststoffplatten im Werte von 10 000 Mark. Die Bettermann-Electro oHG half mit einer Leihgabe von 952 Meter Kabelbahn, das Fr. Jorns Kupferwerk lieh einen großen Axialventilator im Werte von 8000 Mark aus. In die Reihe der Leihgeber reihen sich außerdem ein die Pioneer C. Melchers & Co. (mit einer Verstärkeranlage) und die Klöckner-Moeller-Werke (mit Verteilern und Schaltungen). Rabatte (von 50 Prozent) gewährten außerdem die Firmen Lindner GmbH (für 9000 Glühlampen und die Sylvania GmbH für 100 Leuchtstofflampen).

Die "documenta-Foundation" sicherte einen Betrag von 17 000 Mark zu, um Montagekosten und Spesen zu finanzieren. Aber wie die beiden Künstler-Ingenieure auch rechneten, es blieb immer noch ein Defizit von 17 000 Mark übrig. Ungeachtet dieser Finanzierungslücke machten sie sich an die Arbeit. Mit dem Erfolg, daß die Besucher der documenta zur Eröffnung mit einem Torso von Kunstwerk konfrontiert wurden.

Glücklicherweise hat sich inzwischen ein Schweizer Kunstfreund gefunden, der für den fehlenden Restbetrag einen Kredit zur Verfügung gestellt hat. Am 3. August soll das als "Kommunikationsort und Diskussionsbasis" deklarierte Geldmacher-Mariotti-Objekt seiner Bestimmung übergeben werden. An diesem Tag sollen die 9000 Glühbirnen in einem munteren Wechselspiel der Farben aufleuchten, und die beiden Künstler wollen dann unter anderem eine Diskussion über in Auepark, die Reklametrommel gerührt werden. Als zusätzlicher Kaufanreiz wird die Chance auf einen "Ausschüttungsgewinn" für den Fall geboten, daß sich jemand – zum Preis von voraussichtlich 100 000 Mark – für den Erwerb des großen documenta-Projekts erwärmen kann. Der Nettoerlös – von etwa 50 000 Mark – würde für einen "Geldmacher-Mariotti-Aktionär" einer Bardividende von 500 Mark gleichkommen. Wer ein Glückspilz ist, der kann ein Geldmacher-Mariotti-Objekt (einschließlich der Chance, 500 Mark zu gedie Fragwürdigkeit der documenta eröffnen.

Die Finanzierung des Kassendefizits von 17 000 Mark stellen sich Geldmacher und Mariotti so vor, daß sie ein 30 mal 30 Zentimeter kleines "Detail" ihres großen documenta-Projekts, nämlich je neun auf verzinktem Eisenblech montierte Glühlampen mit einer durch Stufenschaltung programmierten Lichtabfolge in einer Auflage von 100 Stück zum Preis von 200 Mark verkaufen. Für dieses Objekt soll – zusammen mit einer Broschüre, die über die Vorbereitung und Finanzierung, den Aufbau und die Funktion des documenta-Projektes informiert – an Ort und Stelle, nämlich im Kassewinnen) schon zum Preis von einer Mark erwerben, nämlich durch ein Los, wie es in Kassel während der Zeit der documenta angeboten werden soll.

Klaus Geldmacher und Francesco Mariotti sind zuversichtlich, daß sie einhundert Kunstfreunde finden werden, die ihr unkonventionelles Kunstwerk auf unkonventionelle Weise finanzieren helfen.