Lateinamerika ist ein letztes Schriftsteller-Paradies, entlegen genug, um noch einmal poetische Ferne zu sein, politisch turbulent genug, um die nötige Handlungs- und Spannungsfülle zu bieten.

Erico Verissimo: "Seine Excellenz der Botschafter", aus dem Portugiesischen von E. Hausner; Paul Neff Verlag, Wien/Berlin; 506 S., 24,80 DM

erfindet als Symbol des ungebärdigen Kontinents einen Diplomaten von sagenhafter Vergangenheit: Indianer, Sohn einer Hure, Revolutionskämpfer, sexuell unersättlich und unübertrefflich, nun selber reich, korrupt, geschmückt mit allen Zeichen des kapitalistischen Luxus und verhaßtes Ziel einer neuen Revolution. Er, der im sicheren Washington nur noch Betterfolge hat, kehrt aus Überdruß gegen das zivilisierte Leben mitten in die Straßenschlachten seiner Heimat zurück und wird von den Neo-Revolutionären gefangen und hingerichtet.

Geistreicher und witziger ist

Richard Powell: "Pepe bittet zur Kasse", aus dem Amerikanischen von Hansjürgen Wille und Barbara Klau; Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln; 300 S., 16,– DM.

Der Held kommt als Entwicklungshelfer aus den USA und ist von so unbeschreiblicher Naivität, daß er alle Anschläge überlebt, durch die sich die verschiedenen Kräftegruppen des karibischen Phantasiestaates seiner prominenten Leiche zu listigen politischen Erpressungen oder Umschwüngen versichern wollen. Doch jedes überlebte Attentat stärkt sein Prestige. Zum Schluß wird er selber für den Helden der Revolution gehalten und endet als vom Volke geliebter Präsident. Das ist eine amüsante Satire mit Operetten-Charakteren.

Sybil Gräfin Schönfeldt