Wirtschaft

Strategie

Helmut Horten, einer der erfolgreichsten Einzelhändler der Bundesrepublik und Alleininhaber der mit 200 Millionen Mark Stammkapital ausgestatteten gleichnamigen GmbH, bleibt seiner alten Politik treu.

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DIE ZEIT

Was darf Bonn in Berlin?

Als kürzlich der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Schütz, öffentlich davon sprach, die westlichen Alliierten sollten sich mit der Bundesregierung über die Klarstellung des Status von Westberlin und damit über Westberlins rechtlich gesicherte Beziehungen zur Bundesrepublik verständigen, gab es nicht nur in Bonn einiges Erstaunen.

Schablone oder Vielfalt?

Noch immer ist nicht zuverlässig auszuschließen, daß über Osteuropa nicht abermals die Lichter ausgehen. Das aufgeregte Hin und Her der Meldungen über den Abzug der fremden Truppen aus der Tschechoslowakei, der sorgsam koordinierte Nervenkrieg der sowjetischen, polnischen und ostdeutschen Presse gegen Prag, schließlich die ominöse Warschauer Geheimkonferenz – all dies nährt Unsicherheit und Furcht.

Die leidige Unterschrift

Die Beratungen des außenpolitischen Senatsausschusses in Washington über den Atomwaffensperrvertrag haben jetzt die amerikanischen Vertragsinterpretationen aktenkundig gemacht.

In aller Stille

Die Preisverteilung des Vereins Deutschland-Stiftung e. V., die am 11. Mai im Nationaltheater in München stattfinden sollte, wurde jetzt auf der Insel Herrenchiemsee in aller Stille vor geladenen Gästen vorgenommen.

Ring frei zur nächsten Runde

Erst gab es Streit in der Sozialistischen Reichspartei, bis sie verboten wurde, dann nacheinander bei der Deutschen Reichspartei und der Deutschen Partei, bis sie aufgelöst wurden, zuletzt bei der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands und nun zwischen der NPD und der „Deutschen National-Zeitung“.

ZEITSPIEGEL

„Wenn ich die Bürde ermesse, die während sechs Jahren und drei Monaten Ihre Last an der Spitze der Regierung war, dann glaube ich, Ihrer Bitte, nicht erneut zum Premierminister ernannt zu werden, entsprechen zu müssen.

Diktat statt Dialog

Die gaullistische Parlamentsmehrheit hat gezeigt, daß sie mit ihrem Wahlerfolg nicht zimperlich umgehen will. Sie riß den Vorsitz aller Parlamentsausschüsse an sich, auch den des (durch die absolute Mehrheit überflüssig gewordenen) Koalitionspartners Giscard d’Estaing, des ehemaligen Wirtschafts- und Finanzministers, der wieder den Finanzausschuß leiten wollte.

Der Premier aus Eis

Maurice Couve de Murville ist, um die Klischees aufzuzählen, die sein Bild in der Öffentlichkeit geformt haben, „der englischste aller französischen Diplomaten“, „der Bevollmächtigte der Krone“, „der schonendste Interpret des gaullistischen Willens“.

Polens KP in der Schwebe

Bei den ZK-Sitzungen hatte Gomulka bisher immer das letzte Wort. Seine Schlußreden, manchmal apodiktisch-autoritär, manchmal eindringlich-beschwörend, glichen immer Anweisungen eines Chefs, der, durch Erfahrungen gewitzt, glaubt, seine Partei am kurzen Zügel halten zu müssen.

Selten war der Kreml so ratlos

Die Parallelen sind bedrückend. Am 27. März 1948 schickten Stalin und Molotow den Jugoslawen einen zornigen Brief. Sie rügten, daß die jugoslawische Partei nicht vom Geist des Klassenkampfes durchdrungen sei.

Ein Kraftakt aus Schwäche

Auch der Nervenkrieg gegen Prag findet im Saale statt – an Konferenz- und Schreibtischen. Als sich am Wochenanfang die widerspruchsvollen Meldungen aus der Tschechoslowakei über Rückmarsch, Stillstand oder Aufmarsch sowjetischer „Schutztruppen“ jagten und die – von ursprünglich acht auf fünf Partner geschrumpfte – Gipfelkonferenz des östlichen Militärpakts außer einem wortkargen Kommuniqué nur einen dramatischen Brief an die Genossen der KPČ unterzeichnete, da schrieb eine Prager Zeitung: Eigentlich sei die Tschechoslowakei „eine Oase der Ruhe im stürmischen Europa“.

Wolfgang Ebert:: Die Drahtzieher

Zu den wirklich reizvollen und lohnenden Auf gaben, gerade in unserer Zeit, gehört das Entlarven. Beim Entlarven geht es vornehmlich darum, die wahren Absichten des Gegners zu enthüllen und ihn so womöglich bloßzustellen.

Verteidigung des Föderalismus

Taugt unser Föderalismus noch? Der bayerische Staatsminister für Bundesangelegenheiten antwortet auf die kritischen Stellungnahmen des niedersächsischen Finanzministers Alfred Kubel und des CDU-Bundestagsabgeordneten Walther L.

Warten auf den Friedenskorpsgeist

Keine Feste werden gefeiert, keine Fackeln entzündet, keine Fahnen entrollt, und nicht einmal farbenfrohe Folkloregruppen huldigen dem Geburtstagskind.

Kein Manna wird vom Himmel fallen

Im Schloß von Uppsala zeigte Mary Corita, Lehrerin am Immaculata Heart College in Los Angeles und eine der einfallsreichsten ver-Artistinnen der USA, 80 große, über Kreuz verschachtelte Kartonagen.

Wachablösung in Paris

Staatspräsident de Gaulle hat vorige Woche Couve de Murville zum neuen Premierminister ernannt. Couve hatte dem General zehn Jahre lang als Außenminister gedient, ehe er für eine Übergangszeit von wenigen Wochen das Wirtschafts- und Finanzministerium übernahm.

Von ZEIT zu ZEIT

Die Partei- und Staatschefs des Warschauer Pakts kamen ohne Vertreter Rumäniens und der Tschechoslowakei in Warschau überraschend zu einer Besprechung über „Prager Probleme“ zusammen.

Demokratie auf dem Papier

Fünfzehn Monate nach ihrem Putsch möchte die Athener Offiziersjunta ihr Regime legitimieren. Ministerpräsident Papadopoulos legte vorige Woche einen Verfassungsentwurf vor, über den das Volk am 29.

Moskau brüskiert Bonn

Die Gespräche zwischen Bonn und Moskau über den Austausch von Gewaltverzichtserklärungen haben sich festgefahren. Der Kreml brach die vereinbarte Vertraulichkeit und veröffentlichte Ende voriger Woche den deutschsowjetischen Notenwechsel.

Namen der Woche

Rudi Dutschke (28), SDS-Ideologe, im April durch ein Revolverattentat schwer verletzt, verließ die Schweiz mit unbekanntem Ziel.

Freiheit, die die Ordinarien meinen

Kurt Sontheimer, seit 1962 Ordentlicher Professor für Politische Wissenschaft an der Freien Universität Berlin, gehört zu den Direktoren des Otto-Suhr-Instituts, die in der letzten Woche die Institutsleitung und alle Fakultätsämter niederlegten.

Scheitern keine Schande

Mozarts „Don Giovanni“ habe ich mehrere Male inszeniert: in Hamburg 1949, in Vancouver 1959 (mit George London und Joan Sutherland), in Glyndebourne 1960 und zum zweitenmal in Hamburg, ebenfalls 1960.

Wunderkind der Romantik

Vor 150 Jahren ist Karl Philipp Fohr in Rom gestorben. Er war 22 Jahre alt, der vielversprechendste aller hiesigen jungen Künstler im Fach der Landschaftsmalerei, schrieb Karoline von Humboldt, und sie berichtet ihrem Gatten, der sich gerade in England aufhielt, von der zarten Beziehung, die zwischen ihr und dem jungen Maler bestanden habe; seitdem er zu ihr kommen dürfe, habe er sich all das Heidelberger Studentenunwesen abgewöhnt, das so gar nicht in die Nähe edler Frauen passe.

FILMTIPS

„Jagd auf James A.“, von Mervyn LeRoy. Einer der ersten großen amerikanischen Gangsterfilme; er erzählt die Geschichte eines unschuldigen Strafgefangenen, der mehrmals ausbricht, gejagt und wieder in Haft genommen wird.

Ausgestellter Streik

College of Art Einzug im Londoner „Institute of Contemporary Art“. Unter dem Titel „Hornsey strikes again“ stellen sie dort ihre eigene Revolution aus.

Die Avantgarde wird wieder aktiv

Das ICA, von Sir Ronald Penrose gegründet, hat jahrelang dahinvegetiert mit seinen weniger als 1000 Mitgliedern. In einer abgelegenen West-End-Galerie wurden Vorträge gehalten und drängelten sich die Ausstellungen.

Die Theaterrampe als Barrikade

Über die vierte, die „imaginäre“ Wand des Theaters ist in modernistischen Kunstgesprächen seit Jahrzehnten viel geredet worden.

ZEITMOSAIK

Über vierzig in- und ausländische Bühnen werden in der nächsten Spielzeit Max Frischs „Biografie“ spielen, auf zweiunddreißig Bühnen wird Martin Walsers „Zimmerschlacht“ geschlagen werden: Damit ist das Thema der kriselnden Ehe das meistgefragte der nächsten Saison.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Sonny Bonos schöner alter Hit wird hier zum teils komischen, teils pathetischen Leitmotiv in der brillanten Ausführung einer brillanten Idee: Der Beat beginnt mit der nicht ganz gelungenen, aus verrutschten Akkorden zusammengesetzten Rekonstruktion eines Divertimentos von Mozart, das noch dazu aus dem Rhythmus stolpert, the beat goes on über die Ballade vom armen alten schwarzen Joe über Don’t fence me in", den "12th Street Rag" und "In the mood" zu Elvis; dann endlich erfinden die Beatles den Sound mit "I want to hold your band", endlich wird Sonny Bonos Hit auch gesungen, nur noch einmal hält die Mondscheinsonate den Gang der Handlung ein wenig auf.

Keine helfende Hand?

Autobiographien von Philosophen sind ein Novum in unserer Zeit. Kant verbat sich eine Biographie zu seinen Lebzeiten „aufs inständigste und ernstlichste“.

ZU EMPFEHLEN

ES GEFÄLLT mir dieses unscheinbare und äußerst wichtige Buch nicht nur deshalb, weil ich mich von jedem Beitrag, mag er zehn oder fünfzehn Jahre alt sein, erneut beunruhigt, angeregt und belehrt fühle, sondern auch und vor allem deshalb, weil das Ganze mehr ist als die Summe seiner Bestandteile.

Modigliani als Serienfabrikat

Leider hat es Alfred Werner nicht für nötig befunden, die Modigliani-Forschung auch nur um ein kleines Stück voranzutreiben; vielmehr begnügt er sich damit, die bereits vorhandene Literatur zu resümieren.

Helden

erfindet als Symbol des ungebärdigen Kontinents einen Diplomaten von sagenhafter Vergangenheit: Indianer, Sohn einer Hure, Revolutionskämpfer, sexuell unersättlich und unübertrefflich, nun selber reich, korrupt, geschmückt mit allen Zeichen des kapitalistischen Luxus und verhaßtes Ziel einer neuen Revolution.

Völliges Wohlbefinden

Wer die Mannigfalt der Tierwelt vielbändig seinem Bücherschrank einverleiben will, kann wählen: zwischen „Brehms Tierleben“ etwa, „Grzimeks Tierleben“ oder auch „Knaurs Tierreich in Farben“.

Problematische Krebsvorsorge

Die Frau fragte ihn, ob er einen Krebs entdecken könne, der eigentlich noch gar keiner sei? Sie habe davon gelesen, allerdings in einem schon zwölf Jahre alten Buch: einmal jährlich eine Zellabstrich-Untersuchung, und der häufigste Frauenkrebs sei bereits im Vorstadium Jahre voraus zu erwischen und zu heilen.

Verpflanzter Schwanz

Einer in der Geschichte der Medizin sicherlich einmaligen „Transplantation“ können sich einige spanische Stierzüchter rühmen – wenn sie vielleicht auch nicht soviel Wert darauf legen werden, daß ihre Tat an die Öffentlichkeit dringt.

Magnetisch geladene Teilchen

Zum sechstenmal trafen sich in Lindau am Bodensee die Nobelpreisträger für Physik; für einen amüsanten Auftakt sorgte allerdings diesmal ein Außenseiter: Kardinal König als Abgesandter des Papstes machte den Naturwissenschaftlern einen förmlichen Bündnisantrag mit dem Ziel gemeinsamer Ausübung von Macht.

Impfung gegen Immunreaktion?

Einem amerikanisch-italienischen Forschungsteam gelang es Ende Mai in Turin, ein Transplantations-Antigen zu isolieren, das für die Bildung bestimmter Antikörper im Menschen verantwortlich ist.

Dreifacher Salto

Das Rektorat der Freien Universität Berlin hat am Montag bekanntgegeben: alle Studenten, die mit der Politik des Allgemeinen Studentenausschusses nicht einverstanden sind, können das dadurch bekunden, daß sie ihrer Vertretung das Geld entziehen.

Faust, ein Tenor

Auf der Bühne ein Riesenrad, wenn es sich dreht, wird man ebenso, an den Wiener Prater wie an Fortunas Glücksrad erinnert. Scheinbar inmitten des Rades, tatsächlich im Rahmen eines vorgebauten Leitergerüstes, sinniert und singt Faust, ein Tenor.

Fernsehen: Eine Ostergeschichte

Im Chronikstil, sachlich und chronometergetreu, wurde der große Aufbruch während der Osterfeiertage geschildert; die während zwischen Abendmahl und Auferstehung spiegelten sich in Polizeiberichten und Zeugenaussagen; Schrott und Blutspur markierten den Weg eines Festzugs, der friedlich verlief.

Kunstkalender

Nach dem „Hommage à Hoffmann“ im letzten Sommer bringt Bamberg jetzt erstaunlich reiches Bildmaterial zum Barocktheater samt Feuerwerken, Illuminationen, Festivitäten an italienischen, französischen und deutschen Fürstenhöfen in zeitgenössischen Kupferstichen, Zeichnungen und Originalentwürfen; dazu Ansichten der Opernhäuser, der Bühnen- und Freilichtaufführungen, Abbildungen der Moliere-Premieren in Versailles oder einer Feuerwerkspantomime in Wien oder des „Churfürstlich-Bayrischen Frewden-Festes“, das 1662 das große Barocktheater in Deutschland einleitet.

Pläne... Pläne... Pläne...

Friedrich-Plan (nach Flick-Teilhaber Otto A. Friedrich): Die Unternehmen erhalten vom Staat Steuervergünstigungen und geben in gleicher Höhe Schuldscheine an einen Fonds; dieser verkauft mit einem stark gestaffelten Sozialrabatt versehene Namenspapiere; die Verkaufserlöse werden in langfristigen öffentlichen Schuldverschreibungen angelegt.

Der Traum von den goldenen Bergen

Bundeswirtschaftsminister Schiller, Kapellmeister der von ihm kreierten Konzertierten Aktion, trug seinen Gesprächspartnern den Plan vor, nun zu untersuchen, „wie Maßnahmen zur Stärkung der Investitionskraft der Wirtschaft mit Maßnahmen für eine breite Streuung des Produktivkapitals kombiniert werden können“.

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