München

Ich habe die Queen am Mittag des 21. Mai 1965 frisiert und kann das beweisen", der Münchner Friseur Isidor Schorn gibt sich selbstsicher. Seine Friseurinnung hat gegen ihn einen Prozeß wegen unlauteren Wettbewerbs angestrengt.

Zwar hat Friseur Schorn seinen Hoffriseur-Status nie plakativ bekundet – etwa mit einem entsprechenden Schild an der Ladentür –, aber stetig und geschickt brachte er unter die Leute, er habe an jenem Maitag königliche Locken geordnet. "147 Reportagen sind zu diesem Thema in der Presse erschienen." Schorn hat sie gezählt.

Die Münchner Friseurinnung ließ sich Zeit, und erst als der königliche Lockenwickler im Januar dieses Jahres ein sehr elegantes Geschäft im Stadtzentrum eröffnete, betrauten die Konkurrenten einen Rechtsanwalt mit der Affäre. Er habe niemals die Haare Ihrer Majestät berührt, entrüsten sie sich.

Friseurehre hin, Friseurneid her – London schaltete sich ein: Ein Sprecher des Buckingham-Palace erklärte, da Elizabeth II. stets ihren eigenen Friseur im Hofstaat mitzunehmen pflege, könne Herr Schorn, falls man ihn überhaupt in die Residenz hineingelassen hätte, höchstens eine Hofdame frisiert haben.

Friseur Schorn steckt noch nicht auf. Er will neue Beweise vorlegen. Vielleicht eine heimlich abgeschnittene Locke der Königin? Wie dem auch sei, es gibt Münchner Damen, die Meister Schorns Salon betreten und von keinem anderen als "vom Friseur der englischen Königin" bedient zu werden begehren. Feine Leute ...

C. J.