Gegenwärtig arbeiten hundert Ärzte ausschließlich für die von Dr. Czapski geleitete Policlínica; mit weiteren fünfzig Ärzten, die in besonderen Fällen herangezogen werden, bestehen Verträge. Ein großer Teil der fest angestellten Ärzte arbeitet in den betreuten Firmen, in deren werkeigenen Kranken- und Unfallstationen. Andere sind in den vier Kliniken tätig, die schwerpunktmäßig über São Paulo verteilt sind, und wo vor allem die Familienmitglieder und die Angehörigen kleinerer Betriebe ambulant behandelt werden.

Für Bedarfsfälle stehen hier auch genügend Krankenbetten zur Verfügung. Hausbesuche werden von den Ärzten der Policlínica-Gruppe ebenfalls gemacht, Krankenwagen mit Ärzten sind für Alarmfälle bereit. Eine Anzahl ausgebildeten Schwestern macht regelmäßig Familienbesuche und leistet sanitäre Aufklärungsarbeit.

"Das hat die Erkrankungen fühlbar zurückgehen lassen und sich sehr kostensenkend ausgewirkt", sagt Dr. Czapski. "Ich habe von Anfang an die in Europa übliche Trennung von präventiver und kurativer Medizin vermieden. Wir machen also zum Beispiel Schutzimpfungen einer ganzen Belegschaft, weil das billiger ist als die Behandlung einzelner Tetanusfälle. Aufklärung der Frau, wie man etwa die Familie vor tropischen Wurmgefahren bewahrt, vorbeugende Maßnahmen gegen Kinderkrankheiten gehören ebenso zu unserer Tätigkeit wie Zahnbehandlung, Chirurgie, Geburtshilfe, Psychiatrie und alle Arten von diagnostischen Untersuchungen, also das gesamte Feld der Medizin. Für die Angehörigen der Betriebe, die wir vertraglich versorgen, ist das alles vollständig kostenlos."

Die Firmen selbst zahlen die Monatsbeiträge in voller Höhe, ohne ihre Arbeiter und Angestellten mit einem Teilbetrag zu belasten. Die Summe beträgt etwa 3,5 bis 4 Prozent der Löhne und Gehälter, nach brasilianischen Durchschnittswerten zwischen 12,80 und 15,40 Mark für jeden Betriebsangehörigen. Da die Regierung inzwischen die Vorteile der Gruppenmedizin erkannt hat, vergütet sie über ihre Sozialinstitute (Unfall- und Rentenversicherung) den Firmen 60 Prozent dieser Beiträge. Die Firma zahlt also nur 40 Prozent.

Dafür können Betriebsangehörige und deren Familienmitglieder kostenlos jede Untersuchung beanspruchen, eine zeitlich unbegrenzte ambulante Behandlung oder bis zu dreißig Tagen Krankenhausaufenthalt bei chronischen Krankheiten, von 180 Tagen bei Lungentuberkulose, und von unbegrenzter Länge in akuten Fällen; inbegriffen sind auch kostenlose Entbindung und freie Verabfolgung aller "normalen" Medikamente. Bei Krankenhausaufenthalt sind auch die "speziellen" Medikamente kostenlos; diese müssen nur bei ambulanter Behandlung vom Patienten selbst gekauft werden. Doch ist das eine bescheidene Belastung, wenn man bedenkt, daß er selbst überhaupt keine Beiträge zu leisten hat.

Noch bevor es zu diesem Durchbruch und zur staatlichen Anerkennung kam, mußte sich Dr. Czapski verteidigen. Die Kollegenschaft ging zum Angriff über und behauptete, die Gruppenmedizin habe ihre Sprechstunden geleert, in den Wartezimmern säßen keine Arbeiter, Angestellte, Frauen und Kinder mehr. Dr. Czapski wies ihnen nach, daß die Verödung andere Gründe hat.

Das Durchschnittseinkommen der Bevölkerung erhöht sich nur langsam, die Kosten für Arzt, Behandlung und Medikamente steigen dagegen viel rascher. Im allgemeinen kostet heute in Brasilien eine ärztliche Konsultation ohne Behandlung etwa 25 Mark, eine einfache Röntgenaufnahme 50 bis 60 Mark, aber fünfzig Prozent aller Beschäftigten verdienen weniger als 480 Mark im Monat.