"Hier kann nur durch Rationalisierung geholfen werden", sagt Dr. Czapski. "Es ist absurd, irgendwo einen Röntgenapparat aufzustellen, der täglich nur drei Stunden arbeitet. Ein praktischer Arzt muß eine Sprechstundenhilfe und eine Empfangsdame beschäftigen. Wir kommen hier für sieben Ärzte mit zwei Empfangsdamen und zwei Sprechstundenhilfen aus."

Eine an der Praxis gereifte innere Organisation gewährleistet den Betriebserfolg der Gruppe. So können Ärzte, die sich drei Jahre bewährt haben, am Gewinn der Gruppe beteiligt werden. Ein Punktsystem entscheidet über die Beurteilung und finanzielle Quote des einzelnen Arztes, und zwar nach den Hauptkategorien Leistung, Initiative, Fachwissen, Fleiß und Arbeitszeit, Fortbildung, Kooperation und allgemeines Ansehen im Hinblick auf das Gruppenimage.

Im gleichen Sinn gibt es Minuspunkte, die sich auch finanziell auswirken. Das betrifft besonders die ärztliche Leistung. Laufende Kontrollen überprüfen Diagnosen und Behandlungsmethoden: "Bei diesem Teamwork kommt eine Fehldiagnose oder falsche Behandlung viel seltener vor als in der Praxis eines einzelnen Arztes, ich möchte sagen, sie sind fast ausgeschaltet", erklärt Dr. Czapski seine Erfahrungen. "Außerdem gibt es für den Arzt, dem etwas durchrutscht, Minuspunkte, die sich finanziell und in seiner Beurteilung unangenehm summieren könnten. Für besondere Fälle gibt es in der Gruppe auch eine Disziplinarordnung."

Der Gruppenarzt ist also dem Leistungsprinzip der Industriegesellschaft unterworfen. Er genießt aber auch die Vorteile: geregelte Arbeitszeit, Freizeit, Urlaub. In der Gruppe stehen ihm die modernsten Berufseinrichtungen zur Verfügung, Räume, Instrumente, Apparate, Literatur, kollegiale Mitarbeiter. Er steht in ständigem Kontakt mit den anderen Mitgliedern der Gruppe, besondere Fälle werden gemeinsam beraten, täglich ergibt sich durch Gespräch und Zusammenarbeit fachlicher Erfahrungsaustausch.

Bei alledem ist er von administrativer Zeitvergeudung und Ablenkung verschont, von Schreibarbeit, Behördenkram, Telephonanrufen, Vertreterbesuchen. Auch die Kranken finden alles unter einem Dach, den Arzt, den Facharzt, das Laboratorium, den Zahnarzt, ohne von einem zum anderen jedesmal die Stadt durchqueren und in Wartezimmern sitzen zu müssen.

Demgegenüber ist das Dreiecksverhältnis Arzt – Patient – Krankenkasse nach Ansicht Dr. Czapskis nichts als ein tabuiertes Denkschema, ohne durch Effizienz legitimiert zu sein. Die Krankenkasse oder -versicherung ist Nurverwaltung mit allen ihren bürokratischen Nachteilen. Sie belastet den Arzt mit zusätzlicher Administration, ihr System verführt ihn und die Patienten dazu, Behandlungen in die Länge zu ziehen, Krankenscheine sind Wertobjekte, und bei all diesem schematischen Betrieb fehlt es der Kasse an unmittelbarer Kenntnis der Fälle, sie muß Vertrauensärzte haben, was gegenüber Ärzten und Kranken eine Atmosphäre des Mißtrauens erzeugt.

Mit den Krankenbetten wird nach Dr. Czapskis Ansicht in Europa am unwirtschaftlichsten gearbeitet. Das zeigen einige Zahlen der sogenannten "Krankenverweildauer in Krankenhäusern", die in der Bundesrepublik durchschnittlich 21,3 Tage beträgt. In Brasilien sind es nur 15 bis 18 Tage bei Sozialversicherten, 8 bis 12 Tage bei Privatpatienten. Wenn es in der Bundesrepublik gelänge, die Verweildauer auch nur auf 15 Tage herabzusetzen, wären nach Dr. Czapskis Überzeugung alle Klagen über fehlende Betten und fehlendes Personal überflüssig.