Max Schmeling überlegte, milderte den Tonfall und fuhr fort: "In Hollywood traf ich den Regisseur Ernst Lubitsch. Ninotschka mit Greta Garbo war ein Welterfolg. Ich hatte in Hollywood einen Schaukampf gemacht. Wir schrieben uns bis zu seinem Tode. Und ständig ging es um Berlin."

Max Schmeling stand auf. "Ich sehe sie jetzt alle vor mir. Gehen wir doch spazieren, draußen verteilt sich alles wieder." Er zeigte mir einen Raum mit einer Wandtafel, Stühlen und Tischen. "Hier werden meine Verkaufsfahrer trainiert", sagte er. "Schulklassen besuchen regelmäßig den Betrieb. Manchmal bekommen sie einen meiner Boxfilme zu sehen. Ich diskutiere mit ihnen. Und mit Studenten. Die lassen einen jedoch oft gar nicht ausreden. Im Romanischen Café ließ man jeden ausreden, die Meinung des anderen wurde respektiert; natürlich bohrte man weiter..."

"Gehört Ihnen das alles", fragte ich Max Schmeling.

"Hier steht’s", sagte er und gab mir seine Visitenkarte. Ich las: "Max Schmeling, geschäftsführender Gesellschafter der Getränke-Industrien Hamburg-Bramfeld, Neumünster, Reutlingen."

"Gegenüber von unserer Tankstelle wird bald die zweite Werkhalle gebaut", sagte er, "diese Gegend grenzt an das Viertel, wo ich meine Jugend verbracht habe. So schließt sich der Kreis, könnte man sagen. Und ich sage: Das Schicksal bestimmt es immer richtig ... Gehen wir hinüber zum Ohlsdorfer Friedhof. Ohlsdorf ist der zweitgrößte Friedhof der Welt und der drittschönste Europas."

Max Schmeling war braungebrannt; seine Haare hatten fast die gleiche Farbe wie sein Gesicht. Ich sagte: "Es ist erstaunlich, daß Ihre Haare so lange die Farbe behalten haben." Er blickte auf seine Schuhe. Er ging mit den Spitzen nach innen.

Max Schmeling blieb stehen und sagte: "Der mittlerweile weltberühmt gewordene Schriftsteller Paul Gallico war zwei Jahre lang mein Ghostwriter in New York, und Dämon Ranyon ist mein Freund gewesen. Dämon schrieb Kurzgeschichten über gewisse Typen auf dem Broadway; der Broadway hatte wie Berlin seine Jahre gehabt. Die Kurzgeschichten wurden auch berühmt. Dämon Ranyon machte mich zum Schwarzen Ulanen. Dieser Slogan hatte eine durchschlagende Werbewirkung. Ich bin jedes Jahr ein- bis zweimal in New York, das geht einfach nicht anders."