Eine zuverlässige, Legende und Wirklichkeit streng trennende Modigliani-Monographie ist längst fällig. Das weiß auch der Verfasser der neuesten Publikation über den Maler; denn der "Epilog" zu –

Alfred Werner: "Amedeo Modigliani"; Verlag M. DuMont Schauberg, Köln; 160 S., 49 Farbtafeln und zahlreiche Schwarz-weiß-Illustrationen, 49,– DM

beginnt mit den Sätzen:

"Was ist von Modigliani übriggeblieben, ein halbes Jahrhundert nach seinem Tode? Da gibt es zunächst das Werk, das aber noch weiterer gründlicher Forschung bedarf, und dann die Legende seines Lebens."

Leider hat es Alfred Werner nicht für nötig befunden, die Modigliani-Forschung auch nur um ein kleines Stück voranzutreiben; vielmehr begnügt er sich damit, die bereits vorhandene Literatur zu resümieren.

Wenn er bei dieser Zusammenstellung von Lesefrüchten auf Widersprüche stößt, so gibt er, statt den Tatbestand abzuklären, einfach beide Meinungen wieder. So etwa, wenn er rapportiert:

"In dem Buch ‚Modigliani et son Oeuvre‘ (1956) nennt und beschreibt Arthur Pfannstiel 372 Gemälde, die der Künstler nach seiner Ankunft in Paris, von 1906 ab, malte. In seinem Vorwort zu ‚Amedeo Modigliani, dessins et sculptures‘ behauptet dagegen Ambrogio Ceroni, die Zahl der authentischen Bilder Modiglianis betrage genau 222, eine sehr vorsichtige Schätzung."