Die Frau fragte ihn, ob er einen Krebs entdecken könne, der eigentlich noch gar keiner sei? Sie habe davon gelesen, allerdings in einem schon zwölf Jahre alten Buch: einmal jährlich eine Zellabstrich-Untersuchung, und der häufigste Frauenkrebs sei bereits im Vorstadium Jahre voraus zu erwischen und zu heilen.

Stimmt genau, sagte der Arzt: in New York zum Beispiel ist der Gebärmutterhalskrebs längst ausgerottet. Man kenne die Abstrichmethode seit 1943. Eine zweite sichere Krebssuchmethode sei die "Kolposkopie" – entdeckt vor 40 Jahren, und zwar in Deutschland. Der belesene Arzt erwähnte dies beiläufig, aber nicht ohne Stolz.

Ob das die übrigen Ärzte nicht wüßten, fragte sie? Er nehme an. sagte der Doktor, daß seine Kollegen durchaus wissen, was die Wissenschaft weiß.

Und die Frauen? Warum sind sie nicht informiert?

Das wisse er auch nicht, sagte der Arzt. Vielleicht liegt es daran, daß Speziallabors zur Abstrichauswertung weithin fehlen. Darüber rede man jedenfalls permanent – er lese das auch immer wieder.

Man rede darüber?

Gewiß, sagte er, seit vielen Jahren reden Wissenschaftler und Gesundheitspolitiker, ärztliche Standesverteter und Ministerialbeamte darüber, daß die notwendigen Labors fehlen.