Von Dietrich Strothmann

Auf der Rechten hat es wieder einmal Krach gegeben, deftigen Krach. Zum wievielten Male, seit es sie wieder gibt? Die Zahl der Händel läßt sich nur ahnen.

Erst gab es Streit in der Sozialistischen Reichspartei, bis sie verboten wurde, dann nacheinander bei der Deutschen Reichspartei und der Deutschen Partei, bis sie aufgelöst wurden, zuletzt bei der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands und nun zwischen der NPD und der "Deutschen National-Zeitung".

So endete noch jedes Trauerspiel auf dem Paukboden der radikalen Nationalen wie eine Farce – lächerlich. Denn auch nach dem jüngsten Schlagabtausch der beiden Rechtsausleger Adolf von Thadden und Gerhard Frey sieht es so aus, als sei für den NPD-Chef nicht länger der Bundesverfassungsschutz der ärgste Widersacher, sondern der Münchner Chefredakteur. Und Frey muß sich nicht mehr so sehr vor dem Staatsanwalt in acht nehmen wie vor dem nächsten Bundestagsfraktionsvorsitzenden Thadden.

Das zumindest wagt nun keiner der beiden rechten Streithähne mehr zu leugnen: das Tischtuch zwischen ihnen ist endgültig zerschnitten. Am 5. Juli hieß es in dem von Thadden herausgegebenen Hausorgan "Deutsche Nachrichten" (Druckauflage 52 000): "Ein hoffnungsloser Fall" – gemeint war die DNZ. Und am 12. Juli war in der von Frey herausgegebenen "Deutschen National-Zeitung" (125 000) zu lesen: "Ein hoffnungsloser Fall" – gemeint war die NPD. Es war wie auf dem Jahrmarkt, wo ein billiger Jakob den anderen mit demselben Slogan zu überschreien versucht. In diesem Fall freilich, so hoffnungsvoll er Unbeteiligten auch erscheinen mag, wird keiner von beiden große Einbuße erleiden. Thadden wird mit einer ansehnlichen Mannschaft 1969 in den Bundestag einziehen, und Frey wird kaum einen Leser seines Blattes ("Das Gewissen der Nation") verlieren.

Und so hatte alles einmal angefangen: Als Thadden Ende November 1964 in Hannover seine NPD aus der Taufe hob, mit Hilfe enttäuschter DRP-Getreuen, hatte Frey, Dr. rer. pol. und Sohn vermögender Eltern, für sie in seinem Blatt nur ein hämisches Lächeln übrig. "Alle vier Jahre wieder. Die beste DRP, die es je gab", schrieb er über den rechten Neuling. Damals wiegte er sich noch in der kühnen Hoffnung, eines Tages selber der Trommler aller "heimatlosen Rechten" zu werden. Thadden kam ihm zuvor. Das wurmte ihn schon damals.

Es kam die Zeit, da die NPD zusehends an Boden gewann und sich in den ersten Kommunalwahlen überraschend gut behauptete. Frey, so hieß es, wollte sich mit dem Nebenbuhler versöhnen, mit ihm sogar ein Verlöbnis eingehen. Bonns Verfassungsschützer wußten zu melden: Der DNZ-Herausgeber bemühe sich bei den Nationaldemokraten um ein Bundestagsmandat. Wie auch immer – Frey, der sich stets beklagte, als einziger von der NPD nicht einmal zu Pressekonferenzen eingeladen zu werden, bot im August 1966 dem damaligen Parteichef Friedrich Thielen einen "Burgfrieden" an, "bis zum Sommer 1967".