Vor 16 Jahren wurde Rudolf Slansky, langjähriger Generalsekretär der Prager KP, gehenkt – auf Grund eines erpreßten Geständnisses. Sein Name bezeichnet das Trauma des Stalinismus in der ČSSR. Frau Slansky sprach mit H. Jungwirth

DIE ZEIT: Ihr Mann und Sie, Frau Slansky, waren mit dem damaligen Präsidenten der ČSSR und Vorsitzenden der KP, Klement Gottwald, eng befreundet. Am 23. November 1951 wurde Ihr Mann verhaftet, Sie und Ihre Familie wurden interniert. Ein Jahr später hat man Ihren Mann hingerichtet. Was ist damals geschehen?

Frau Slansky: Ja, es stimmt, daß wir mit dem Vorsitzenden der Partei, mit Präsident Gottwald, persönlich befreundet waren. Mein Mann hatte ihn 1924 in Mährisch-Ostrau kennengelernt, und sie haben dort, wie man so sagt, Freundschaft fürs Leben geschlossen. Mein Mann war damals Chefredakteur der kommunistischen Zeitung in Ostrau, und Gottwald war Chefredakteur der dortigen slowakischen Zeitung. Als ich Slansky dann 1929 kennengelernt habe, kam auch ich natürlich in enge Verbindung mit Klement Gottwald und seiner ganzen Familie.

Wie es zum Prozeß kam? Das hing damals mit der ganzen falschen stalinistischen Theorie zusammen, nach der, so wie der Sozialismus fortschreitet, auch der innere Feind größere Aktivität entwickele. Und daß man daher den Feind auch in den eigenen Reihen suchen müsse.

Man hat dann verschiedene Parteifunktionäre wie Sling, General Pavel (heute Innenminister), Marie Svermova und andere verhaftet und sie einfach beschuldigt, sie seien Feinde der Arbeiterklasse und der Partei.

Diese Entwicklung ging weiter, bis man schließlich gesagt hat, daß auch an der Spitze irgend jemand stehen müsse, der die besten Möglichkeiten habe, eine staatsfeindliche Arbeit zu organisieren und daß dies nur mein Mann sein könne. Die Theorie meines Mannes und damals auch der ganzen Partei, daß jedes Land einen spezifischen Weg zum Sozialismus finden müsse, wurde vom Kominformbüro als falsch bezeichnet; mein Mann und seine Mitangeklagten wurden dafür verantwortlich gemacht.

DIE ZEIT: Aber Gottwald kannte Ihren Mann doch schon so lange und war mit ihm befreundet. Warum hat er geschwiegen?