Frau Slansky: Insgesamt waren wir vom 23. November 1951 bis zum 29. April 1953 interniert.

DIE ZEIT: Wurden Sie in dieser Zeit verhört?

Frau Slansky: Ich kam zwischendurch in das Gefängnis Ruzyne nach Prag. Erstmals vom 26. Januar bis 1. Mai 1952 und dann noch etwa drei- oder viermal. Man sagte mir, ich sei hier als Zeugin. Aus den Verhören habe ich ganz klar herausgehört, daß mein Mann niemals lebendig aus dem Gefängnis herauskommen wird. Manchmal hat man mir gesagt, daß auch ich hingerichtet werde.

DIE ZEIT: Für was sollten sie Zeugin sein?

Frau Slansky: Ich sollte Zeuge gegen meinen Mann sein. Man hat von mir ein Zeugnis haben wollen, daß Andre Simon (ebenfalls hingerichteter Redakteur des Parteiorgans "Rude Pravo") manchmal zu uns gekommen ist und daß wir ihn gut gekannt haben. Das stimmte. Also habe ich diese sechs Zeilen unterschrieben. Und warum auch nicht? Es stimmte ja. Dann hat man mir gesagt, ich müßte es auswendig lernen und vor Gericht vorlesen. Aber dazu kam es dann nicht mehr. Wahrscheinlich deshalb, weil ich erklärte, daß ich, falls mein Mann mir im Prozeß Fragen stellen sollte, die volle Wahrheit sagen werde.

DIE ZEIT: Hat man Ihnen irgendwelches Belastungsmaterial vorgelegt?

Frau Slansky: Niemals.