Die schwedische Regierung teilte nicht die Meinung ihrer Landeskinder: Diese hatten geglaubt, die Milderung der im Zuge der Umstellung auf den Rechtsverkehr verfügten Geschwindigkeitsbeschränkungen bedeute ein gutes Zeugnis für gutes Verhalten in der neuen Verkehrspraxis. Doch 21 Verkehrstote am 20. Juni (Mittsommernacht) gegenüber 13 im Vorjahr veranlaßte die Exekutive, das seit dem 8. Mai auf den meisten Landstraßen geltende Limit von 110 Stundenkilometer auf 90 zu reduzieren.

Es hatte alles so günstig ausgesehen. Nach dem Tage "H" am 3. September 1967 war die Zahl der Unfälle zurückgegangen. Doch im Mai schnellte die Zahl der Unfalltoten von 61 im Jahre 1967 auf 78. Seit dem 8. Mai 1968 galt die Geschwindigkeit von 110 Kilometern pro Stunde auf vielen Straßen neben 90 Kilometer je Stunde und 130 auf den Autostraßen. Im Juni registrierten die Statistiker 105 Verkehrstote gegenüber 89 im Vergleichsmonat des Vorjahres. Auffallend dabei ist, daß auf dem Lande sowie auf den Auto- und Europastraßen die Zahl der Unfälle mit Todesfolge zurückging, während sie auf den Reichsstraßen und auf kleineren Straßen anstieg.

Interessant ist der Vergleich der Zahl der Unfalltoten des ersten Halbjahres 1968 mit dem Vergleichszeitraum von 1967. Bis zum 1. Juli dieses Jahres gab es nämlich 433 Tote durch Verkehrsunfälle, zehn weniger als im ersten Halbjahr des Vorjahres.

Die Mitarbeiter des aus der Staatlichen Verkehrsumstellungskommission hervorgegangenen Staatlichen Verkehrssicherheitswerks sind der Ansicht, daß das plötzliche Anwachsen der Zahlen von tödlichen Verkehrsunfällen auf den Glauben der schwedischen Kraftfahrer zurückzuführen sei, die Milderung der Geschwindigkeitsbeschränkungen bescheinige ihnen die Qualifikation für den Rechtsverkehr. Allerdings gibt es eine weitere maßgebliche Ansicht für die schlechte Entwicklung der Unfallstatistik. Danach hatten viele Schweden ihr Auto während des Winters und Frühjahrs stillgelegt und sind dann zu Beginn der Urlaubssaison plötzlich zu völlig ungeübten Rechtsverkehrsteilnehmern geworden.

Im Staatlichen Verkehrssicherheitswerk glaubt man an einen Erfolg der Tempobeschränkung, denn sie könne dazu beitragen, daß die Verkehrssicherheitsfrage aktualisiert und frisch erwachter Übermut des schwedischen Kraftfahrers gedämpft werde. Viele schwedische Kraftfahrer glauben, daß sie nun endgültig an die kurze Leine niedriger Geschwindigkeiten genommen werden. K. T.