Pompidou trat ab – Neuer Premier: Couve de Murville

Staatspräsident de Gaulle hat vorige Woche Couve de Murville zum neuen Premierminister ernannt. Couve hatte dem General zehn Jahre lang als Außenminister gedient, ehe er für eine Übergangszeit von wenigen Wochen das Wirtschafts- und Finanzministerium übernahm.

Sein Vorgänger Georges Pompidou hatte sechs Jahre lang als Premierminister amtiert – länger als jeder andere Premier der französischen Geschichte. Als Abgeordneter des Departement Cantal zieht er sich jetzt auf seinen Sitz in der Nationalversammlung zurück.

Über die Gründe für die Entlassung Pompidous kursieren verschiedene Versionen. Der Premier soll, wie die Londoner "Sunday Times" berichtet, auf dem Höhepunkt der Streikunruhen am 28. Mai vorgeschlagen haben, daß er die Macht übernimmt. Wenig später – zwischen den beiden Wahlgängen zur Nationalversammlung Mitte Juni – sicherte de Gaulle seinem Vertrauten zu: Er werde noch in diesem Jahr zurücktreten, sollten die Gaullisten eine zuverlässige Mehrheit erobern.

Doch nach dem überwältigenden Wahlsieg der Gaullisten soll sich der General besonnen haben. Der ehemalige Generaldirektor des Bankhauses Rothschild schien ihm nicht der rechte Mann zu sein, die "Participation" zu verwirklichen – Kernpunkt der geplanten Gesellschafts- und Wirtschaftsreform. Er entließ Pompidou, nicht ohne ihn vorher in einem Dankschreiben zu verpflichten, "jede Mission zu erfüllen und jedes Mandat zu übernehmen, die Ihnen von der Nation anvertraut werden könnten". Der Pariser "Figaro" bezeichnete Pompidou daraufhin als "Thronfolger" de Gaulles.

Dem Kabinett Couve de Murville gehören achtzehn Minister und zwölf Staatssekretäre an. Acht Minister haben ihre Posten behalten; darunter Debré (Äußeres), Messmer (Verteidigung), Marcelin (Inneres), Capitart (Justiz), Malraux (Kultur). Sechs Minister haben ihre Ämter gewechselt. Die wichtigste Veränderung: Der bisherige Erziehungsminister Ortoli übernahm das Schlüsselministerium für Wirtschaft und Finanzen.

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