"Und wie verhält es sich mit der innerdeutschen Koordination, etwa mit den Aktivitäten des ‚Entwicklungsministeriums‘?"

Aus Caspers Antwort ergibt sich, daß Arbeitsüberschneidungen durch Arbeitsteilung vermieden werden. Die Entwicklungshilfe hat festumrissene Aufgaben. Sie stellt Kapital zur Verfügung und schickt Lehrkräfte in die Welt. Der Entwicklungsdienst hingegen entsendet freiwillige Helfer, deren wesentliche Aufgabe es ist, mitten unter den Menschen des Gastlandes mitzuarbeiten, mitzuleben, auch mitzuleiden: "Unter Entwicklungsdienst ist Partnerschaftshilfe."

"Hat sich unter den zurückgekehrten Entwicklungshelfern bereits eine Art von Peace-Corps-Geist entwickelt?"

"Nein, noch nicht. Dafür ist die Zeit zu kurz und die Zahl zu klein."

Dr. Casper, selbst ein Mann der Wirtschaft, verschweigt aber auch nicht, daß die Rückkehrer nicht überall mit offenen Armen aufgenommen wurden, wo sie zwei Jahre vorher mit warmen Worten und guten Wünschen verabschiedet wurden. Das schaffe Verdrossenheit, zumal die Entwicklungshelfer aus ihrer beruflichen Selbstentwicklung nach den Regeln der Karriere für zwei Jahre ausgeschaltet waren. Die Wahrheit sei aber schlecht beraten, diese Menschen zurückzuweisen, denn sie hätten sich unter ungewöhnlichen Umständen bewährt, und dieses Erfahrungskapital verzinse sich in jedem Beruf und in jedem Betrieb. Auch die jungen Leute hätten keinen Grund zu verzagen; denn wichtiger als alle Schwierigkeiten der Einfügung und Anpassung sei für sie die besondere Fähigkeit, mit jeder Situation fertig werden zu können. Das amerikanische Peace Corps sehe sich gleichen Problemen gegenüber.

"Und Ihr Wunsch zum fünften Geburtstag des Deutschen Entwicklungsdienstes?"

Diesen Wunsch leitet er ab aus einem Wort Teilhard de Chardins: Der Entwicklungsdienst möchte in der ihm bestimmten Weise den Atem unserer kleinen Erde einfangen, und das persönliche Engagement des einzelnen möchte sich in unserem Lande, gesellschaftspolitisch reflektierend, als Bereicherung für den Menschen und für die Gemeinschaft erweisen. Werner Höfer