Die erste Frage, Herr Professor Hochheimer, die beim Betrachten des Filmes gestellt wird, ist: Muß man alles zeigen?

Ja, das ist eine wichtige Frage. Wenn man sich in der Sexualität befaßt oder Sexualität, darteilt, dann erscheint es mir als grotesk, die eigentliche Sexualität und ganz bestimmte zenrale Vorgänge nicht zeigen zu dürfen. Es handelt sich immerhin um einen wissenschaftlichen Dokumentarfilm, dessen Thema nun einmal die exualität ist. An den Tabus der Gesellschaft, an nserem Sittengesetz sieht man, wie weit zurück auch die Aufklärung – ohne Anführungsstriche – ist: Die Realität darf nicht gezeigt werden.

Viele Betrachter werden an einigen Stellen von Peinlichkeit geradezu geschüttelt sein, wie etwa in der Bordellszene.

Das ist zwar ein ganz massives Thema, aber eine krasse Realistik müßte eigentlich alle Gegenargumente, die Szene zu zeigen, abwehren. Es kommt hinzu, daß den Zuschauern klar wird, de mies diese ganze Bordellsexualität ist – und a spricht man von "Freuden"-Haus! Tatsächlich ist noch nie gezeigt worden, wie erbärmlich, wie inseitig, wie unbefriedigend es dort zugeht.

Die pädagogische Absicht ist klar. Sie fanden es aber auch notwendig, den Koitus eines "normalen Paares" zu zeigen.

Viele werden sagen, das darf man überhaupt nicht darstellen. Wir fragten, da wir es für notwendig hielten, wie man es darstellen könne. Soll man den Koitus immerfort übersetzt zeigen, eingezuckert also? Wir fanden, wenn schon, denn schon, oder lieber gar nicht. Die Schamschranken, auf die wir so stolz sind, können auch etwas sehr Fragwürdiges sein. Denn man kann Sexualität nicht nur ungeheuer freimütig austauschen, sondern auch betrachten. Warum eigentlich nicht? Ist Sexualität Sünde?

Aber die Masturbation gilt als Sünde, wenigstens als Frevel, der immer noch von schlimmen Verwünschungen und bösen Prophezeiungen begleitet wird – doch, die Szene mit der jungen Frau wirkt sehr ästhetisch.