Frankfurt am Main

In schwarzer Samtrobe mit blauem Besatz empfing Baronin Moritz von Bethmann am Abend des 20 Oktober 1880 Kaiser Wilhelm I. im Foyer des Frankfurter Opernhauses. Mit Mozarts "Don Juan" wurde das neue Haus glanzvoll eröffnet.

S. M. waren tief beeindruckt: "So etwas können sich nur die Frankfurter leisten." Der Architekt Richard Lucae hatte den Bürgern eine verkleinerte Ausgabe der berühmten Pariser Oper auf den Bockenheimer Platz gestellt.

Am 2. Juli 1968 schloß der Baudirektor Lortz von der Bauaufsichtsbehörde der Stadt dem Vorsitzenden der "Aktionsgemeinschaft Opernhaus Frankfurt am Main e. V.", Dietz, das Gitter zum Portal der Opernhausruine auf. Wenige Tage zuvor war die Genehmigung erteilt worden, die Arbeiten zur Räumung. Sicherung und Erhaltung von Frankfurts umstrittenster Ruine aufzunehmen. Doch das Kaiserwort des Jahres 1880 wird 1968 zu der Frage: Können sich die Frankfurter den Wiederaufbau ihrer Oper leisten?

Die "Aktionsgemeinschaft Opernhaus" antwortet mit einer eigenen Variante der kaiserlichen Anerkennung. "Das können nur die Frankfurter leisten!" schließt ein Appell an die Bürger der Stadt. Historisch gesehen ist Optimismus nicht unberechtigt. Der Bau des Opernhauses begann mit einer Bürgerinitiative. Anfang 1870 zeichneten 67 wohlhabende Frankfurter die beachtliche Summe von 480 000 Gulden als Grundkapital. Die Stadt legte dann allerdings noch einige Millionen dazu.

Getreu diesem Vorbild hat die "Aktionsgemeinschaft Opernhaus" etwa acht Millionen Startkapital zusammengebracht – aber der Wiederaufbau wird weit über zwanzig Millionen kosten. Und dazu hat man nun im Rathaus eine ganz klare Meinung: Das kann sich Frankfurt nicht leisten. Auf guter Position in der Spitzengruppe kommunaler Verschuldung können keine Opernhaus-Millionen mehr freigemacht werden. Aber das darf kein Lokalpolitiker, wenn er wiedergewählt werden will, aussprechen. Im Laufe der letzten zwanzig Jahre ist in Frankfurt die Opernhausruine zum Wahlkampfthema und zur Gretchenfrage geworden: Wie hälst du es mit dem Wiederaufbau?

Tatsache ist, daß das Opernhausprojekt seit 1946 mit spitzen Fingern angefaßt wird. Bauingenieur Georg Petry nach jahrelangem Schweigen: "Für einen Judaslohn von 45 000 Mark wollte der damalige Baudezernent 1950 von mir ein Gutachten über die Standsicherheit der Opernhausruine. Ganz offen wurde mir zu verstehen gegeben, daß die Stadt keinen Wert auf die Erhaltung der Ruine legt. Selbstverständlich lehnte ich ein solches Ansinnen ab."