Vor 150 Jahren ist Karl Philipp Fohr in Rom gestorben. Er war 22 Jahre alt, der vielversprechendste aller hiesigen jungen Künstler im Fach der Landschaftsmalerei, schrieb Karoline von Humboldt, und sie berichtet ihrem Gatten, der sich gerade in England aufhielt, von der zarten Beziehung, die zwischen ihr und dem jungen Maler bestanden habe; seitdem er zu ihr kommen dürfe, habe er sich all das Heidelberger Studentenunwesen abgewöhnt, das so gar nicht in die Nähe edler Frauen passe. "Ich übte eine Gewalt über ihn aus, die er sich gar nicht zu erklären wisse, aber der er gern folge..Sie verzeichnet auch die näheren Umstände seines Todes. Fohr hatte den Tag über an seinem Nibelungenzyklus gezeichnet, er hatte "den Ritter Hagen gemacht, der an dem Fluß weilt, an dem die Nixen ihm den Tod, den unabwendbaren, verkündigen". Abends ging er mit seinen Freunden zum Baden und ertrank im Tiber.

Friedrich Rückert, der auch in Rom und auch mit Fohr befreundet war, widmete ihm ein Albumblatt, feierte das, wie er sagte, schönste Jugendbild, das in den Fluten des Tiber unterging.

Fohr, das Jugendbild der deutschen Romantik, die Verse lassen es dichterisch in der Schwebe, ob der Maler, ob das Werk als schönes Jugendbild apostrophiert wird. Fohr, das Wunderkind der Heidelberger Romantik. Einer seiner vielen Freunde, Philipp Diefenbach, hat 1823, frisch aus der Erinnerung, sein Leben beschrieben, eine köstliche Biographie, in der alles aufs beste zusammenstimmt zum romantischen Jugendbild. Der Vater, ein ausgedienter Soldat, der an der Heidelberger Wallonen-Schule unterrichtete und den Jungen aufs Gymnasium schickte, wo er gänzlich versagte, weil er jeden Augenblick und jedes Blättchen Papier zum Zeichnen oder Malen benutzte. "Er fand", schreibt Dieffenbach, "ein großes Vergnügen darin, während der Lehrstunden komische Szenen, die er auf der Straße gesehen, auf das Papier zu werfen oder gar seine Lehrer selbst auf eine für die Schüler lachenerregende Weise darzustellen. Solches war nicht allein Ursache unangenehmer Auftritte, sondern bewirkte auch, daß er in intellektueller Ausbildung vor manchen seiner Mitschüler merklich zurückblieb."

Er kam zu dem Universitätszeichenlehrer Friedrich Rottmann in die Lehre (dem Vater von Carl Rottmann). Als Fohr im Neckartal, er war gerade 15, aquarellierte, traf er den Maler und Prinzenerzieher Issel aus Darmstadt, der, von seinem Talent beeindruckt, ihn nach Darmstadt mitnahm, ihn unterrichtete und der Erb- und Großherzogin Wilhelmine Luise ans Herz legte. Die Dame bewilligte ihm ein Jahresgehalt von 400 Gulden, was knapp zum Leben reichte, vor allem in Rom war er auf weitere Gönner angewiesen. Die Großherzogin hatte ihr Geld glänzend angelegt. Sie vereinnahmte fast die gesamte Fohrsche Produktion, von Rom aus wurden die Bilder in Kisten nach Darmstadt transportiert. Die meisten seiner Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen gehören heute dem Hessischen Landesmuseum oder der Familie des Prinzen von Hessen und zu Rhein.

Von Darmstadt zog Fohr nach München. Der akademische Lehrbetrieb widerte ihn an, mit dem Direktor, einem klassizistischen Langweiler, schlug er sich ständig herum, er verließ die Akademie, um der Relegation zu entgehen. In München wurde der Maler Sigismund Ruhl aus Kassel sein Freund, sie waren unzertrennlich, hatten auch noch in Rom das gleiche Atelier, bis die Freundschaft mit einem Duell endete. Ruhl war hochgebildet, kannte die romantische Dichtung und übernahm die in der Schule versäumte intellektuelle Ausbildung. Sie illustrierten Tiecks "Melusine" und Fouquets "Zauberring". Ruhl hat Fohr auch die Technik der Ölmalerei beigebracht.

Bevor er 1816 nach Rom wanderte, war er noch einmal, für einen Sommer, in Heidelberg. Er verkehrt bei den "Teutonen", er teilt ihre Begeisterung fürs Mittelalter, vertauscht seinen Münchner Militärrock gegen die altdeutsche Tracht, die er später in Rom beibehält und in Mode bringt, die der Kronprinz von Bayern begeistert übernimmt, ohne zu ahnen (schreibt Jens Christian Jensen in seiner eben erschienenen Fohr-Monographie), "daß er damit die Tracht der studentischen Revolutionäre hoffähig machte". Der Trend zum Altdeutschen bei Künstlern und Studenten, das muß man wissen, um den Teutonen Fohr nicht mißzuverstehen, ist gerade nicht restaurativ, sondern ein Protest gegen das Establishment gewesen.