In Europa betrachtet man den Überfluß mit Schrecken. Rekordernten drohen! Pfirsiche, Äpfel, Tomaten und Blumenkohl werden die Märkte überschwemmen. Italienische und französische Bauern appellieren schon jetzt an ihre Regierungen, "prompt zu handeln". Sie jammern über die schlechten Preise und schielen auf den EWG-Agrarfonds, aus dessen Mitteln bereit-204 Millionen Mark (und notfalls mehr) bereitstehen zum Aufkauf und zur Vernichtung überschüssiger Nahrungsmittel – wie im Vorjahr. So werden wieder Tausende von Tonnen Obst und Gemüse auf den subventionierten Abfallhaufen der EWG landen.

Diese Nachrichten findet man im Wirtschaftsteil der gleichen Zeitungen, die auf ihren Frontseiten in Schlagzeilen über die Hungerkatastrophe in Biafra berichten. Eine perverse Agrarpolitik, die es zu einer solchen Situation kommen läßt!

Bundesernährungsminister Hermann Höcherl hat sich bisher standhaft geweigert, in der Bundesrepublik mit ähnlichen Methoden den "Markt zu regulieren". Aber die Vertreter der Grünen Front drängen und im Zeichen der kommenden Bundestagswahl werden sich wohl auch für dieses Verlangen beflissene Fürsprecher finden.

Die Millionen aus der Tasche des Steuerzahlers, die den Bauern zugedacht sind, müßten sich aber doch wohl auch auf andere Weise verteilen lassen, als über die Vernichtung von Lebensmitteln. Muß Europa wirklich der Welt das schlechte Beispiel des reichen Prassers geben, der von seinem Wohlstand keinen sinnvollen Gebrauch machen kann? mj