Frankfurt am Main

Der Frankfurter Steuerberater Julius Szekely ist einer von zwölf Millionen Autofahrern in der Bundesrepublik. Es blieb ihm nicht erspart, worüber an jedem Stammtisch bittere Klagelieder gesungen werden. Ärger mit den Reparaturwerkstätten. Nur, Julius Szekely beließ es nicht beim Ärger, er gründete einen Verein: die Schutzgemeinschaft der Kraftfahrer. "Wir wollen kein Freiwild für verantwortungslose Werkstätten sein. Aber nur gemeinsam sind wir stark genug, dem großen Block der Autoindustrie und Werkstätten als Partner von Gewicht gegenüberzustehen", erklärt Julius Szekely.

Der Selbstschutz-Organisator gesteht freimütig, daß er und seine Gesinnungsfreunde zunächst auch nicht gewußt haben, wie man sich gegen Übervorteilung zur Wehr setzen kann. Heute hat die Schutzgemeinschaft nach erst drei Lebenswochen nicht nur 8000 Mitglieder, sie hat auch klare Vorstellungen, wie sie ihre Ziele durchsetzen kann – etwa 500 Sachverständige, Techniker und Juristen haben ihre Kenntnisse bereits ehrenamtlich in den Dienst der guten Sache gestellt. Und das Rezept heißt: Vorbeugen ist besser als Heilen. Schon die Plakette der Schutzgemeinschaft am Wagen soll eine Warnung sein: Hinter diesem Kunden steht eine Organisation, die sich nichts vormachen läßt.

Doch man warnt nicht nur und appelliert an die Handwerkerehre. Die Mitglieder bekommen Aufkleber mit folgendem Text: "Ich bin Mitglied der Schutzgemeinschaft der Kraftfahrer und bitte, vorliegenden Reparaturauftrag nur zu den Ihnen bekannten Bedingungen dieser Vereinigung auszuführen." Das wird auf den schriftlichen Reparaturauftrag geklebt. Julius Szekely erklärt: "Unsere Bedingungen werden damit Teil des Reparaturvertrages." Und die Bedingungen sind: Auf den Rechnungen soll der verantwortliche Meister namentlich aufgeführt werden – keine Neuteile, wenn die Reparatur der Altteile mit niedrigeren Kosten möglich ist – ausgebaute Ersatzteile sollen zwei Tage lang von der Reparaturwerkstätte aufgehoben werden, so daß die Sachverständigen der Schutzgemeinschaft die Möglichkeit haben, die ausgebauten Ersatzteile daraufhin zu prüfen, ob ein Austausch nötig war.

Die Schutztruppe ist fest entschlossen, ihrer Plakette am Wagen der Mitglieder Respekt zu verschaffen. "Wir werden uns nicht scheuen", meint Székely, "Fallen zu stellen und harte Konsequenzen zu ziehen." Das heißt: Die Experten der Schutzgemeinschaft werden – beispielsweise – Schrauben kennzeichnen, an denen bei einer ordnungsgemäßen Inspektion gearbeitet werden muß. Der erste Musterprozeß wird bereits vorbereitet. Einem Mitglied war ein gebrauchter Austauschmotor eingebaut worden, der schon nach einigen hundert Kilometern an der gleichen Krankheit litt, wie sein Vorgänger. Bei der Beanstandung wurde auf die Allgemeinen Reparaturbedingungen des Kfz-Reparaturgewerbes hingewiesen, in denen es heißt: "Die Abnahme des Auftragsgegenstandes schließt die Gewährleistungsansprüche aus...; mit der Übergabe und widerspruchslosen Annahme gilt der Auftragsgegenstand als abgenommen; die Übergabe erfolgt grundsätzlich auf dem Betriebsgelände des Auftragnehmers."

Dazu der Kommentar der Schutzgemeinschaft: "Solange es solche Reparaturbedingungen gibt, kann von einem echten Gleichgewicht zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer nicht gesprochen werden." Es sollte endlich Schluß sein mit Verträgen, in denen der Autobesitzer die Rolle des Untertanen und die Reparaturwerkstätte die des Diktators spiele. Angestrebt wird auch eine gesetzliche Bestimmung, nach der bei fahrlässigen Reparaturen die Werkstatt strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden kann. Zu den Leistungen der Schutzgemeinschaft gehört auch eine sachverständige Beratung vor einer eventuellen Reparatur, um nicht den Empfehlungen der Werkstatt hilflos ausgesetzt zu sein.

Mit diesem Programm füllt die Schutzgemeinschaft eine "echte Lücke". Die Automobilverbände üben sich auf diesem Gebiet in Zurückhaltung. Julius Szekely sagt es etwas diskreter: Die Verbände seien durch die Vielzahl ihrer Aufgaben gebunden und gerieten in einen Interessenkonflikt mit den Aufgaben, die sie sich gestellt hätten. Die Stärke seines Verbandes sei, daß man sich lediglich auf ein Objekt konzentriere, nämlich die ordnungsgemäße Autoreparatur.