Papst Paul VI., so wurde gemeldet, will die Antibabypille verbieten. Das ist für Millionen katholischer Frauen eine schlimme Kunde. Nach vierjährigen Beratungen im Vatikan legte der Kurienkardinal Ottaviani dem Papst ein 40seitiges Dokument vor. Es erklärt die künstliche Geburtenkontrolle ex officio zur Sünde. Damit sind alle Hoffnungen, die seit Johannes XXIII. und dem 2. Vatikanum aufgekeimt waren, mit einem Schlage zunichte gemacht worden.

Was ist das für eine Kirchenleitung, die alle Warnungen der Wissenschaft in den Wind schlägt? Wie ist das päpstliche Dekret mit dem christlichen Gebot der Nächstenliebe zu vereinbaren, wenn bereits heute feststeht, daß – nach Schätzungen der Food and Agricultur Organization – bis 1980 rund 40 Millionen Menschen an Hunger sterben werden?

Unlängst kündigte der Wiener Kardinal König eine Revision des Inquisitionsurteils gegen den Naturwissenschaftler Galilei an. Vor 300 Jahren hatte er seiner Lehre abschwören müssen, daß die Erde nicht der Mittelpunkt der Welt sei. Werden die Katholiken wieder so lange warten und leiden müssen, bis der Vatikan sein jüngstes Fehlurteil revidiert? D. St.