Die Vierte Vollversammlung des ökumenischen Rats, die vorige Woche in Uppsala zu Ende ging, war ein Erfolg – für die Kirchen und für die Welt. Die etwa 800 Delegierten von 235 protestantischen, orthodoxen, anglikanischen und altkatholischen Mitgliedskirchen haben die alte Trennung zwischen Heilsgeschichte und Weltgeschichte aufgehoben und neue Brücken noch Rom geschlagen.

Die Probleme des Hungers, der Armut, der Entwicklungshilfe, der Menschenrechte, des Krieges und der Revolutionen, wurden freimütig diskutiert. Der französische Theologe André Dumas hatte das Motto ausgegeben: "Die Kirche ist nicht Arzt am Krankenbett der Gesellschaft, wir sind in der Gesellschaft."

Freilich mißlangen die Ausflüge in die schiere Politik. Die Resolutionen zum Nahostkonflikt, zum Bürgerkrieg in Nigeria, zum Kriege in Vietnam spalteten die christliche Vollversammlung in verschiedene politische, ideologische, sogar nationalistische Lager. So wurde die Bezeichnung "Biafra" gestrichen und durch "Notstandsgebiete in Nigeria" ersetzt, für die der Rat seine Hilfe dann allerdings von 16 auf 24 Millionen Mark erhöhte.

Laien und Bischöfe stellten sich eine neue Aufgabe. Sie heißt: ein universelles Konzil, das auch die römisch-katholische Kirche umfassen soll. Der Jesuitenpater Tucci betonte die Bereitschaft Roms, in der Ökumene mitzuarbeiten.