Von Gisela Stelly

Der Arbeiter wird neu entdeckt. In den politischen Parteien und unter Politologen und Soziologen bemüht man sich, sein aktuelles Bewußtseinsbild zu erkennen, in diesen Tagen wurden die ersten Ergebnisse einer vom Rationalisierungskuratorium der Deutschen Wirtschaft veranlaßten Untersuchung bekannt.

Noch nie ist es dem Arbeiter so gut gegangen", sagen die Leute auf der Straße. Sie sagen es seit langem. Und die Arbeiter selbst sagen das auch.

"Wenn der Arbeiter sein Auto und sein Fernsehen hat, dann hält er still", sagen die Leute (und der "Kühlschrank" wird dabei schon gar nicht mehr zitiert). Und wenn Arbeiter über andere Arbeiter sprechen, sagen sie dasselbe.

Doch in einer kürzlich vom Südwestfunk inszenierten Abstimmung – Anlaß war der in der DDR gedrehte Ruhrrevier-Film nach Max von der Grüns Roman "Irrlicht und Feuer" – verneinten 64 Prozent der Befragten diese freilich nicht suggestionsfreie Frage: "Dieser Film behauptet, der westdeutsche Arbeiter kämpfe nur um mehr Lohn; andere politische Ziele habe er nicht. Stimmt dieser Vorwurf?"

Als im vergangenen Rebellionsjahr die studentische Linke sich um das "Arbeiterbewußtsein" bemühte, stieß sie auf Desinteresse, Gegen-Aggressivität oder auch nur Hohn und Spott. Die Linke sprach von "Manipulation der Herrschenden" und den "Lohnabhängigen, die ihre wahre Lage nicht erkennen". Was mit dem Arbeiter "los" sei, konnte man jedoch mit Fragen, wie dieser nicht herausbekommen: "Mensch, merkst du denn nicht die Repression bei euch im Betrieb?"

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