Die Meinung über die künftige Kursentwicklung deutscher Aktien ist geteilt. Die Schwankungen der letzten Wochen haben einige Anleger dazu bewogen, einen Teil der ihnen in den letzten achtzehn Monaten zugeflossenen Kursgewinne zu realisieren. "Noch einmal gehen wir mit den Aktien nicht in den Keller, diesmal steigen wir rechtzeitig aus!" So ist ihre Meinung. Und gerade diese Vorsicht trägt zur Schaffung einer gesunden Kursbasis bei.

"Noch dürfte die Aufwärtsbewegung an den deutschen Aktienmärkten nicht zu Ende sein, wenngleich sie sich künftig weniger spektakulär und wesentlich differenzierter vollziehen dürfte. Neuengagements sind also schärfer zu prüfen als in den letzten Monaten" – so die Dresdner Bank zu ihren Kunden. Aber was kann man noch kaufen, meine verehrten Leser? In einer Studie kommt das Münchener Bankhaus Merck, Finck & Co. zu folgendem Schluß: "Unter den Aktien, für die noch begründete Kurserhöhungschancen auf mittlere Frist auszurechnen sind, ragen folgende hervor: Siemens, Bayer, Hoechst, AEG, BASF, RWE, VEW, Deutsche Bank, Dresdner Bank, Commerzbank, Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank, Bayerische Vereinsbank, Allianz Versicherung, BMW, Volkswagenwerk, Veba, Holzmann, Hochtief und Karstadt." Die Kurse dieser Unternehmen müssen, so schreibt das Bankhaus, auf Grund vorsichtiger Gewinnschätzungen für 1968/69 noch nicht als "bezahlt" gelten. Ihre Kurse könnten noch steigen – in einzelnen Fällen um mehr als 20 Prozent.

Diese günstigen Prognosen halten indessen viele Sparer nicht davon ab, "auf Nummer Sicher" zu schalten. Aber wenn diese Leute ihre Aktien mit Nutzen verkauft haben, stellt sich für sie sofort die Frage: Wohin mit dem Geld? Ein Teil der Verkäufer legt es aufs Konto und wartet auf eine nachhaltige Kursschwäche, um dann die veräußerten Papiere billiger zurückkaufen zu können. Sie spekulieren, im besten Sinne des Wortes. Andere steigen in festverzinsliche Wertpapiere um. Dabei werden die siebenprozentigen DM-Auslandsanleihen wegen ihres hohen Nominalzinssatzes bevorzugt. Sinkt der Zins international, wofür einiges spricht, dann werden die Kurse dieser Emissionen (wie auch aller anderen festverzinslichen Papiere) steigen. Den hier zu erwartenden sicheren, aber relativ bescheidenen Kursgewinn ziehen diese Leute den noch möglichen 20 Prozent bei deutschen Standardaktien vor.

Eine andere Alternative zu deutschen Aktien besteht im Erwerb ausländischer Papiere. Aber welche? Die New Yorker Börse ist derzeit unübersichtlich. Jedenfalls ist dort das Risiko im Augenblick kaum geringer als in der Bundesrepublik. In Frankreich scheint ein gewisser Tiefpunkt erreicht zu sein, aber ehe die französische Regierung ihre Mitbestimmungs- und Mitbeteiligungspläne nicht präzisiert hat, wird sich an der Pariser Börse nichts Wesentliches ereignen. Also abwarten. Die Londoner Börse hat in diesem Jahr einen beachtlichen Aufwärtssprung gemacht, eine Folge der Inflationsfurcht. Das ist kein Klima für eine erfolgversprechende Aktienanlage. Als Ausweg schlagen einige Banken japanische Aktien vor, eine Anregung, die sicherlich einige Beachtung verdient.

Die Masse der "vorsichtigen" deutschen Wertpapiersparer wird indessen nicht bereit sein, gerade nach Ostasien auszuweichen. Wer an der deutschen Börse bleiben, aber zur Defensive übergehen will, sollte zweierlei tun: Erstens – und darüber haben wir uns vor zwei Wochen unterhalten – seine Aktienanlage auf die großen marktgängigen Papiere konzentrieren, die sich jederzeit zu einigermaßen vernünftigen Kursen wieder verkaufen lassen, und zweitens in solche Wandelanleihen umsteigen, bei denen der nahe bei 100 Prozent liegende Kurs das Risiko von vornherein begrenzt.

Das ist auch der Grund, warum das Hamburger Bankhaus Münchmeyer & Co. neuerdings den Erwerb der 5 1/2 prozentigen BASF-Wandelanleihe, Kurs etwa 110 Prozent, empfiehlt. Auf dieser Basis errechnet sich eine laufende Rendite von 5 Prozent. Steigt im Laufe der kommenden Jahre der BASF-Aktienkurs, womit unter normalen Umständen wohl zu rechnen ist, wird sich der Kurs der BASF-Wandelanleihe ebenfalls nach oben entwickeln, ohne daß ihr Inhaber das jeder Aktie nun einmal innewohnende Kursrisiko voll zu laufen braucht.

Sehen wir uns, meine verehrten Leser, die BASF-Wandelanleihe näher an. Fünf Stücke zu nom. 100 Mark berechtigen zum Tausch in 2 BASF-Aktien zu je 50 Mark Nennwert. Bei einem Kurs von 110 Prozent für die Wandelanleihe würde sich der Wandlungspreis also auf 550 Mark abzüglich 10 Mark Barzahlung durch die BASF (das hängt mit der letzten Kapitalerhöhung zusammen), also auf 540 Mark oder 270 Mark je Aktie, stellen. Da der Kurs der BASF-Aktie zur Zeit 249 Mark per Stück beträgt, wäre eine Wandlung zum heutigen Kurs noch uninteressant. Da aber – wie eben gesagt – anzunehmen ist, daß der BASF-Kurs in den nächsten Jahren steigen wird, dürfte er den (allerdings nach einer Stufentafel höher werdenden) Wandlungspreis erreichen oder sogar überspringen. Der Besitzer der BASF-Wandelanleihe braucht also nicht auf Kursgewinne zu verzichten, falls die Hausse weitergehen sollte.