Balzkleid des Mannes

/ Von Vitus Dröscher

Die Uniform ist das Imponier- und Balzkleid des Menschenmännchens. Der radschlagende Pfau steht in nichts den prunkvollen Gewändern der Soldaten früherer Jahrhunderte nach; Offiziere waren – im Gegensatz zu heute – wesentlich prächtiger herausgeputzt als die Damen. Ein Zivilist wirkte neben dem Militär wie ein Stockerpel im Ruhekleid, während das Bild eines napoleonischen Offiziers in Paradeuniform an der Seite einer Dame den Vergleich von Hahn und Henne geradezu herausfordert.

Im Lauf der Zeiten erlebte die Uniform skurrile Wandlungen von der Ritterrüstung bis zur Fallschirmjägermontur. Doch wurden diese Wandlungen weder von militärischen Nützlichkeitsüberlegungen allein bestimmt, noch waren sie freie Schöpfungen des menschlichen Geistes – eben weil die Uniform in erster Linie ein Signal der sozialen Feinstruktur des Kleingruppenwesens Mensch ist. Sie hat beim Menschen dieselben Funktionen als Kampf-, Rangordnungs- und Imponiermittel zu erfüllen wie die Mähne des Löwen, die Gänsebrust und das Federkleid des Paradiesvogels im Reich der Tiere.

Damit unterliegt die Uniformentwicklung biologischen Evolutionsgesetzen, die sich über einige Jahrhunderte der Kostümgeschichte in bürokratisch penibel geführten Dokumenten ohne messing link in verblüffender Klarheit verfolgen lassen. Der bekannte Verhaltensforscher Professor Otto Koenig Direktor der Biologischen Station Wilhelminenberg bei Wien, hat die Anwendbarkeit biologischer Gesetze auf diesen Teil der menschlichen Kulturgeschichte entdeckt. Er berichtet darüber in der Zeitschrift n+m, Naturwissenschaften und Medizin, der Boehringer-Werke in Mannheim.

Das "Leitfossil" der Uniformentwicklung seit dem Mittelalter ist die Ritterrüstung. Allerdings war sie zunächst alles andere als eine Einheitstracht. Der Kampf zweier kleiner Ritterheere löste sich stets schnell in eine Vielzahl einzelner Duelle auf, und so war es für die total in Blech verpackten Recken entscheidend, das who-is-who-Problem zu lösen. Sie kennzeichneten sich individuell mit einer einprägsamen Verzierung des Schildes und des Helmes.

Die große Wende trat keineswegs durch die Erfindung des Schießpulvers ein. Es wird zwar manchmal behauptet, die Rüstung sei mit dem Aufkommen der Schußwaffen von der Bildfläche der Bekleidungsgeschichte verschwunden, doch das ist nicht wahr. Rudimentäre Rüstungsteile haben sich bis in die jüngste Zeit in liebgewordener Tradition erhalten, wie noch gezeigt werden wird. Viel nachhaltiger wirkte eine andere Entwicklung auf das Schicksal des stählernen Kampfanzuges: Die Vergrößerung der Truppe durch nicht dem Adel angehörende Soldaten und der damit verbundene Wandel des Ritters zum Offizier.