Wenn über der Mosel die Julisonne lacht, spucken die Kinder über die Reling der Ausflugsschiffe, zerreißen Zigarettenschachteln und streuen die Schnipsel ins Wasser oder scharen sich um die Schiffsjungen, die bereits die erste Stufe zum ersehnten Beruf erklommen haben: Kapitän auf einem Passagierschiff der Köln-Düsseldorfer.

Auf den Moselschiffen reisen Schulklassen und junge Leute, ältere Ehepaare und ein paar Nonnen. Die sitzen auf dem Sonnendeck, und nach drei Stationen verlassen sie das Schiff wieder. Die jungen Leute trinken Bier und blinzeln in die Sonne. Die älteren Ehepaare wechseln fachmännische Worte über die Weinberge oder eine Straßenbaustelle. Und wenn ein Fremder sagt, daß es an der Anlegestelle Schweich, sechs Straßenkilometer von Trier, doch sicher ein Taxi gebe, so verbessern sie ihn: In Schweich gibt es bestenfalls einen Mietwagen mit Fahrer, und außerdem sind es von Schweich nach Trier nicht sechs, sondern zwölf Kilometer.

Die Fremden, die Touristen, sind auf den Moselschiffen noch selten. Sie kommen meist zufällig auf die Schiffe, wenn sie in einem der Touristenorte an der Mosel, in Cochem, Bernkastel oder Traben-Trarbach, über den Anleger der Köln-Düsseldorfer stolpern. Die Lustschiffe auf der Mosel gibt es noch nicht lange.

Die Moselfahrt flußaufwärts beginnt in Koblenz, Rheinwerft. Von der Mündung bis zur ersten Staustufe ist die Mosel ein richtiger Industriefluß. Zwischen Moselweiß und Winningen erscheinen die ersten Weinberge und, bei Kobern, die ersten Burgen. Bis Cochem zieht die Mosel fast geradlinig dahin, zwischen Uferstraßen, Eisenbahn und Dörfern. Dann aber windet sie sich in labyrinthischen Kehren. Die Mosel ist von allen schiffbaren Flüssen Deutschlands der eigenwilligste.

Auf dem Wasser ist nicht viel Verkehr. Manchmal ein Lastkahn. Die Schiffer grüßen den Kapitän und winken den Passagieren zu. Manchmal eins der schmalbrüstigen holländischen Kabinenschiffe. Auf dem Achterdeck trocknet Wäsche. Vorn sitzen holländische Touristen und lachen herüber. Sie sind schon den Rhein heraufgefahren und schippern jetzt auf der Mosel weiter nach Frankreich.

Zwischen Koblenz und Trier sind acht Staudämme. In der Schleuse treffen sich die flußaufwärtsfahrenden Schiffe wieder. Es dauert etwa eine Viertelstunde, bis die Schleusentore wieder geöffnet werden und die Schiffe, sechs bis zwölf Meter höher, weiterschwimmen.

Die Köln-Düsseldorfer kreuzen auf der Mosel nur zwischen Koblenz und Trier. Die Reise dauert gut und gern zwei Tage. Man kann sich eine Moselfahrt auch individuell zusammenstellen, denn die Schiffe verkehren täglich nach einem festen Fahrplan. Eine Pauschalreise gibt es noch nicht. Die Fremdenverkehrsverbände und die Schiffslinie wollen aber vielleicht schon im nächsten Jahr eine Moselrundreise als Arrangement anbieten. Rolf Diekhof