Der eine kam, der andere ging: General Gowon, Chef der nigerianischen Zentralregierung, und Oberstleutnant Ojukwu, Führer der abgefallenen Ostregion Biafra, verfehlten sich vorige Woche auf dem Flugplatz von Niamey (Republik Niger) nur um Stunden – mit Absicht. Daß sie sich demnächst doch persönlich treffen wollen, ist nicht mehr auszuschließen. Denn die Delegierten Nigerias und Biafras haben sich in Niamey auf eine Tagesordnung für Friedensgespräche geeinigt, die alsbald in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba beginnen sollen.

Die letzten Verhandlungen waren Anfang Juni in Kampala/Uganda an der Kompromißlosigkeit der beiden Kriegsparteien gescheitert. jetzt trug die stille Vermittlungsarbeit der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) in Niamey ihre Früchte. In der für die hungernde Bevölkerung Biafras lebenswichtigen "Korridorfrage" vermochte die OAU indessen noch keinen Kompromiß zustande zu bringen.

Lagos hatte zwei Landwege für die Zufuhr von Nahrungs- und Arzneimitteln freimachen wollen. Doch lehnte Ojukwu ab und schlug zwei Ersatzkorridore vor. Der eine soll längs des "neutralisierten" Niger-Flusses verlaufen, der andere in einer "demilitarisierten Zone" bei Port Harcourt im Süden des Landes. Beide Korridore sollen international überwacht werden. Diesen Vorschlägen mochte Gowon bislang nicht zustimmen – die Generäle der Zentralregierung wollen freie Hand behalten. Moskau sicherte ihnen am Wochenanfang weitere Unterstützung zu.