Von Helmut Salzinger

Ich, so versichert Jan Cremer des öfteren auf den annähernd tausend Seiten seines bislang zweibändigen Memoirenwerkes, "bin ein Genie". Zum Erweis dessen begann er vor einigen Jahren mit der Veröffentlichung seines literarischen Oeuvres –

"Ich, Jan Cremer", aus dem Niederländischen von Johannes Werres und Klaus Rainer Röhl; Gala Verlag, Hamburg; 461 S., 25,– DM.

Das Buch, dem sein Verfasser prophezeite, es werde ein Bestseller werden, wurde tatsächlich einer. Für alle Skeptiker, die dadurch allein noch nicht zu überzeugen waren, wartet er nun mit

"Ich, Jan Cremer 2", Roman, aus dem Niederländischen von Johannes Werres; Joseph Melzer Verlag, Darmstadt; 479 S., 25,– DM

auf, an dessen Schluß ganz Hartgesottenen mit einem dritten Band gedroht wird. Da ich zu diesen nicht gehöre, gebe ich es, ehe er seine Drohung wahr macht, lieber gleich zu: Er, Jan Cremer, ist ein Genie.

Warum eigentlich liegt ihm soviel daran, als Genie zu gelten? Schließlich ist doch die Vorstellung vom genialen Künstler nachgerade zum Inbegriff einer einigermaßen antiquierten Kulturauffassung geworden, und es ist nicht zuletzt sie, gegen die Jan Cremer sich mit der Wucht seiner beiden Wälzer als literarischer Schlagetot in die Brust schmeißt. Hier läßt er sich bei einer Inkonsequenz ertappen, die ihm zwar nicht vorgeworfen werden kann, weil er sich zur Konsequenz nirgends verpflichtet hat, die jedoch seine sonstige Unverschämtheit Lügen straft. Und an der ist ihm vor allem gelegen.