Von Heinz Michaels

Die Revanche kam fünf Jahre später. 1963 hatte das Volkswagenwerk die Manager in Turin mit einer Käferinvasion aufgeschreckt; jedes 19. Auto, das in Italien verkauft wurde, kam damals aus Wolfsburg.

Am Vorabend der Verwirklichung des Gemeinsamen Marktes trug jedes 13. Auto, das im ersten Halbjahr 1968 in der Bundesrepublik zugelassen wurde, das Fiat-Emblem. Und in Heilbronn, wo die deutsche Zweigstelle des italienischen Konzerns residiert, nimmt man die Zahl 13 keineswegs als ein böses Omen. Schon bald soll jedes 12., jedes 11., jedes 10. in Westdeutschland verkaufte Auto ein Fiat sein.

Der Mann, auf dessen Schultern die Verantwortung hierfür liegt, heißt Giuseppe Calvi. Klein, drahtig, beweglich, steuert er von seinem unterkühlt nüchternen Büro am Corso Marconi in Turin aus den Autoexport der Fiat. Der Erfolg seiner Arbeit wird entscheidende Bedeutung für die Zukunft des nunmehr fast siebzigjährigen Konzerns haben, denn: "Wir müssen den Export noch mehr forcieren, weil der Wettbewerb im eigenen Land schärfer wird."

Sorgfältig abgeschirmt gegen Einflüsse von außen, war den Italienern jahrzehntelang kaum etwas anderes übriggeblieben, als einen Fiat zu kaufen, wenn sie ein Auto haben wollten. Der Turiner Konzern beherrschte 85 Prozent des italienischen Automarktes; den Rest bestritten die ebenso berühmten wie schnellen und teuren Alfa-Romeos, Lancias, Maseratis und Ferraris. Importe gab es kaum; 1958 waren es ganze 5399 Wagen.

Noch sechs Jahre später schrieb das amerikanische Nachrichtenmagazin "Newsweek": "Für die künftigen Verkaufsschlachten ist Fiat so gut gerüstet wie eine Treibhauspflanze: Sie sieht gut aus, aber der Mangel an kräftigendem Konkurrenzwind hat sie etwas verweichlicht."

Vergeblich versuchte damals Vittorio Valetta, der inzwischen verstorbene "große alte Mann" des italienischen Automobilbaus, seinen ebenfalls verstorbenen Professorenkollegen Heinrich Nordhoff dafür zu gewinnen, europäische Absprachen über Produktion und Märkte zu treffen. Der Italiener fürchtete die Europainvasion der Amerikaner. Doch VW-Chef Nordhoff lehnte das italienische Werben kühl ab. Selbst auf den amerikanischen Markt angewiesen, mochte er wohl die Amerikaner nicht mit einem europäischen Autokartell verärgern.