Auch ich verfolge die Vorgänge in Prag mit großer Aufmerksamkeit und die Reformen der Männer um Dubček mit warmer Sympathie, Dabei macht es große Freude zu sehen, wie jene Zeitungen bei uns, die für deutsche Kommunisten gar nichts übrig haben, sich für Prager Kommunisten hell begeistern können. Ich hatte bisher das Gefühl, daß unser Beistand den Reformkommunisten nützen könnte, wurde aber von meinem Ostexperten Henry Ketschab eines Besseren belehrt:

"Wir machen das alles ganz falsch." Ich sah ihn fragend an.

"Diese ganze Begeisterung für die Reformer – grundverkehrt."

"Findest du?"

Diese Politikerreisen nach Prag – geradezu fatal."

"Meinst du?"

"Diese fast freundliche Intimität Prag–Bonn: absolut schädlich."