Als am 21. Juli die turnusmäßige Sitzung des Zentralbankrats ohne kreditpolitische Beschlüsse vorübergegangen war, wurde in den Börsensälen aufgeatmet. Die Diskussionen über eine mögliche Einengung der hohen Bankenliquidität sowie über eine eventuelle Diskonterhöhung zur Bremsung der konjunkturellen Aufwärtsbewegung hatten vorher eine beträchtliche Nervosität ausgelöst. Sie verschlimmerte sich, als Bundesfinanzminister Strauß erklärte, die deutsche Wirtschaft befinde sich an der Grenze, aber noch nicht im Bereich der Überhitzung. Die Folge war ein beschleunigter Abbau sogenannter Haussepositionen durch den Berufshandel. Auch die private Bankenkundschaft war mehr als bisher unter den Verkäufern zu finden. Tatsächlich würde eine selbst vorsichtig vorgenommene "Steuerung" der Konjunktur – eingedenk schmerzlicher Erfahrungen – zu heftigen Reaktionen auf den deutschen Aktienmärkten führen.

Vorerst sind solche Eingriffe indessen nicht zu erwarten. Schon deshalb nicht, weil jede Zinsverteuerung zu einem zusätzlichen Devisenzufluß in die Bundesrepublik führen müßte. Er wäre mehr als unerwünscht. Darauf bauen die Aktienkäufer von heute. Sie sind der Meinung, daß sich in den nächsten Wochen die sich häufenden guten Nachrichten aus dem Bereich der Wirtschaft tendenzbestimmend auswirken werden.

So steuert das Volkswagenwerk einem neuen Rekordjahr entgegen. Optimisten sprechen von einem Gewinn von 80 Mark je Aktie. Wahrscheinlich ist das zu hoch gegriffen, aber sehr viel weniger wird es nicht werden. Bei der Veba wird eine Dividendenerhöhung von 11 auf 12 Prozent als möglich hingestellt,

"Spezialisten" interessieren sich für die Aktien der Realkreditinstitute. Durch die in den letzten Tagen gestiegenen Pfandbriefkurse sind die Hypothekenbanken in der Lage, wettbewerbsfähige Hypothekendarlehen anzubieten. Ihr Geschäft beginnt wieder lebhafter zu werden. Das trifft auch für die Kommunaldarlehen zu. Von hier aus bekommt die Baukonjunktur jetzt die von ihr ersehnten neuen Impulse.

K. W.