Von Wolfram Siebeck

Ein amerikanischer Anthropologe aus Madison/Wisconsin berichtete kürzlich, daß die Eskimos weder in Iglus wohnen noch die Nasen aneinanderreihen. Und schon gar nicht böten sie den Gästen ihre Frauen an.

Alle Achtung, ich meine, wie kriegt einer raus, daß Eskimos anders sind und nicht so, wie man sich das immer vorgestellt hat? Vielleicht geht er von Tür zu Tür: "Guten Tag, Sie sind Anouk der Eskimo, nicht wahr? Darf ich hereinkommen?" Und dann setzt er sich und plaudert von diesem und jenem ("Einen schönen Bungalow haben Sie hier, wirklich!") und blickt nervös auf die Küchentür, hinter der Frau Anouk die Eisbärsteaks brutzelt.

Wie oft wurden die Erwartungen des Amerikaners wohl enttäuscht, bis sich ihm die Erkenntnis aufdrängte: Die Eskimos sind gar nicht so!

Oder die Eskimos sind doch so. Als aber der Anthropologe wieder in Madison/Wisconsin landet und die neugierigen Kollegen ihn schon auf dem Flugplatz mit Fragen bestürmen ("Na, alter Junge, wie sind denn die Eskimoweiber, he?"), fällt sein schneegewohnter Blick auf einen vertrauten, rosa Blumenhut, der sich durch die Menge zu ihm drängt. Da zuckt er zusammen und stottert etwas von falschen Vorstellungen, die man sich von der Gastfreundschaft der Eskimos mache, und überhaupt sei alles gar nicht so, wie man glaube.

(Genau wie ich auf die Frage "War die kleine X., die dich so anschwärmt, auch auf der Cocktailparty?" erwidere, daß die kleine X. auf der Cocktailparty nur den Y. anschwärmte, und überhaupt wären die Cocktails miserabel und die Party langweilig gewesen; mit einem gerngehörten Wort: wär’ ich bloß zu Hause geblieben.)

Daraus ist die Lehre zu ziehen, daß wir skeptisch sein sollten gegenüber allen wissenschaftlichen Behauptungen.