DIE ZEIT

Papier-"Löwe"

Das Wort Popanz ist tschechischen Ursprungs. Es bedeutet eine (meist vermummte) Schreckgestalt. In dem "Schwarzen Löwen", der als Bundeswehrmanöver in der Nähe der ČSSR-Grenze auftreten sollte, hätten die Tschechen wohl nicht einmal einen Popanz erblickt.

Kriegstrommel in Honolulu

Nach dem Treffen der Präsidenten Johnson und Thieu: Wenig Chancen für den Frieden in Vietnam

Bittere Pille

Papst Paul VI., so wurde gemeldet, will die Antibabypille verbieten. Das ist für Millionen katholischer Frauen eine schlimme Kunde.

Wandel ohne Befehl

Nie zuvor stand das Volk der ČSSR so geschlossen hinter seiner KP, noch nie waren Tschechen und Slowaken so einig wie derzeit unter dem Druck Moskaus.

Der Demagoge aus Alabama

Der Dicke mit den blauen Hosen und dem Unterhemd sieht aus wie der Tankstellenwärter von nebenan. Er springt auf, schwingt einen Hundert-Dollar-Schein in der schweren Faust und ruft: "Das ist mein Beitrag für den Wahlfeldzug des nächsten Präsidenten der USA.

ZEITSPIEGEL

"Wir sind kein politisches Volk geworden, sondern begnügen uns wiederum mit einer bloß privaten Existenz, der die gespenstige Abstraktheit unserer politischen Routine entspricht.

Was tat Müller-Roschach?

Gegen Bonns Botschafter in Lissabon, Müller-Roschach, läuft ein Ermittlungsverfahren, das die Staatsanwaltschaft in Frankfurt eingeleitet und dann zuständigkeitshalber an die Bonner Staatsanwaltschaft abgetreten hat.

Eingebildete Krise

Über Veränderungen des Berlin-Status zu lamentieren, gehört seit 19 Jahren zu den gesamtdeutschen Pflichtübungen. Daß sich an diesem Status seit 1949 faktisch nichts geändert hat, scheint wie ein Wunder, blickt man auf tatsächliche und eingebildete Berlin-Krisen zurück.

"Sie wollen weg von uns"

Es ist einmalig in der Geschichte der Sowjetunion, daß das gesamte Politbüro in ein anderes kommunistisches Land zu reisen bereit ist, weil die Parteiführung eben jenes Landes es aus unverhohlenem Mißtrauen ablehnte, zu bilateralen Verhandlungen die Sowjetunion zu betreten.

Israels "starker Mann"

Eine Frau, der nachgesagt wurde, sie sei – außer Ben Gurion – der "einzige wirkliche Mann" an der Spitze des israelischen Staates gewesen, will sich ins Privatleben zurückziehen: Golda Meir, die kürzlich ihren 70.

Rettung für Biafra?

Die afrikanischen Regierungs- und Staatschefs konnten den erbarmungslosen Krieg auf ihrem Kontinent nicht länger ignorieren.

Wolfgang Ebert:: Falscher Beifall?

Auch ich verfolge die Vorgänge in Prag mit großer Aufmerksamkeit und die Reformen der Männer um Dubček mit warmer Sympathie, Dabei macht es große Freude zu sehen, wie jene Zeitungen bei uns, die für deutsche Kommunisten gar nichts übrig haben, sich für Prager Kommunisten hell begeistern können.

Unrasiert nach England

Viele England-Besucher wissen ein garstig Lied zu singen von Großbritanniens mißtrauischen, bisweilen sogar schroffen Einwanderungsbeamten.

Uppsala – und danach?

Der Worte wurden viele gewechselt auf dieser 4. Vollversammlung des Weltkirchenrates in Uppsala. Verurteilt wurde der Bombenkrieg in Vietnam, verdammt die Waffenlieferungen in Spannungsgebiete; gebrandmarkt wurden Ungerechtigkeit, Rassismus, Not und Elend, Es war sicher das weltlichste Konzil der Ökumene.

Die Quittung für den Mai

Auf die Restauration folgen in Frankreich nun die Repressalien. Die Regierung will mit allen Mitteln eine Neuauflage der Mai-Unruhen verhindern, die das Land an den Rand des Bürgerkrieges gebracht haben.

Wähler unter Zwang

Was dem einen sien Ul, ist dem anderen sien Nachtigall. Das ist das Ergebnis der Eulenspiegeleien um die Bürgermeisterwahl in dem Allgäuer Käsestädtchen Wangen am 9.

Ärger mit dem Austauschmotor

Der Frankfurter Steuerberater Julius Szekely ist einer von zwölf Millionen Autofahrern in der Bundesrepublik. Es blieb ihm nicht erspart, worüber an jedem Stammtisch bittere Klagelieder gesungen werden.

Veteran des Protestes

Horst W. Blome, "Arbeiter an der Gesellschaft" und Ladenbesitzer des "Drugstore Cuba Libre" in einer Person und Amtsgerichtsrat Willi Meier, saßen kürzlich in Nürnberg gegenseitig zu Gericht.

Nur noch eine Nummer?

Es hatte damit begonnen, daß die SPD-Fraktion einen Arbeitskreis beauftragt hatte, parlamentarische Konsequenzen aus der Unruhe in der Jugend vorzubereiten.

Streit um "Schwarzen Löwen"

Zwischen Bebenhausen, Bonn und Washington tickerten bei Wochenbeginn die Fernschreiber. Von seinem Urlaubsort aus empfahl Bundeskanzler Kiesinger seinem in Amerika weilenden Verteidigungsminister Schröder, eine "räumliche oder zeitliche Veränderung" des Manövers "Schwarzer Löwe" zu erwägen.

Namen der Woche

Antonio Arguedes, bolivianischer Innenminister, der dem kubanischen Diktator Castro eine Fotokopie des Tagebuchs von Ché Guevara zugespielt haben soll, flüchtete nach Chile, erhielt dort aber kein politisches Asyl.

Engpaß in Nigeria

Der eine kam, der andere ging: General Gowon, Chef der nigerianischen Zentralregierung, und Oberstleutnant Ojukwu, Führer der abgefallenen Ostregion Biafra, verfehlten sich vorige Woche auf dem Flugplatz von Niamey (Republik Niger) nur um Stunden – mit Absicht.

Dokumente der Spaltung

Auf ihrem Gipfeltreffen in Warschau verfaßten die Parteichefs Polens, Bulgariens, Ungarns der Sowjetunion und der DDR vorige Woche einen gemeinsamen Brief an die Prager Parteiführung, in dem sie vor ideologischer Aufweichung und Untreue gegenüber dem Warschauer Pakt warnten.

Brückenschlag in Uppsala

Die Vierte Vollversammlung des ökumenischen Rats, die vorige Woche in Uppsala zu Ende ging, war ein Erfolg – für die Kirchen und für die Welt.

Von ZEIT zu ZEIT

Das Politbüro der KPdSU reiste zu Gesprächen mit dem Präsidium des Zentralkomitees der KPC in die CSSR. In Westrußland begannen neue sowjetische Manöver.

Johnson beruhigte Thieu

Zum fünftenmal seit 1965 trafen sich vorige Woche US-Präsident Johnson und sein südvietnamesischer Alliierter, Präsident Thieu.

Salome in der Arena

Rudolf Heinrich hat sich als interpretierender Bühnenmaler selbst übertroffen: Selten zuvor sind die Stationen des Einakters von Strauss so szenenbeherrschend begleitet worden von orientalischen Nachtstimmungen, gefiltert durch europäische Fin-de-siècle-Dekadenz.

Don Giovanni siebenfach

Stendhal war kein Hi-Fi-Fan. Leute, die wie er Mozarts "Don Giovanni" durch einen Spalt der angelehnten Logentür hören – auch Günther Rennert fand in der letzten Ausgabe der ZEIT des Dichters Verfahren "am herrlichsten" – und die damit verzichten auf Raumeffekt und Streicherglanz, auf die Möglichkeit, rechts und links und vorn und hinten sowohl im Orchestergraben wie auf der Bühne akustisch zu erkennen, die die Linie der ersten Klarinette gar nicht von der der zweiten Violine getrennt haben wollen und sich mit dem unteren Frequenzbereich zufriedengeben – solche Kunden hätte unsere Schallplattenindustrie gern.

FILMTIPS

"Die Außenseiterbande", von Jean-Luc Godard. Franz liest im France Soir, daß ein Amerikaner in neun Minuten und fünfundvierzig Sekunden den Louvre besichtigt habe.

Hamlet segnet das Neuzeitliche

Wie dem Bergsteiger, der (buchstäblich) Höchstes im Sinn hat, die Eiger-Nordwand, das Matterhorn oder der Nanga Parbat als ständige Herausforderung vor Augen schweben, so zieht es den gipfelstürmenden Schauspieler zu Shakespeares "Hamlet".

ZU EMPFEHLEN

FÜR Leser, die mit dem Kommunisten Ernst Fischer Optimismus für verbrecherisch halten – Samuel Beckett: "Film" / "He Joe" in drei Sprachen, Deutsch von Erika und Elmar Tophoven; Suhrkamp Verlag, Frankfurt; 76 S.

ZEITMOSAIK

Giorgio Strehler verläßt das Mailänder Piccolo Teatro, das er vor einundzwanzig Jahren zusammen mit Paolo Grassi gegründet hat.

Er, der Jan Cremer

Ich, so versichert Jan Cremer des öfteren auf den annähernd tausend Seiten seines bislang zweibändigen Memoirenwerkes, "bin ein Genie".

Das Schicksal eines Kollaborateurs

Es ist sicher möglich und aufschlußreich, den Krieg auch von seinen Randerscheinungen her zu erfassen. Wenn sie sich auch auf den ersten Blick zu wiederholen scheinen, offenbart die nähere Betrachtung doch große Unterschiede.

Ein Meilenstein mit Scharten

Daniil Melnikow, Professor an der Moskauer Akademie der Wissenschaften, hat mit seiner schon vor Jahren erstmals publizierten Arbeit über den deutschen Widerstand gegen Hitler – wie Bodo Scheurig in der Einleitung zur jetzt erscheinenden westdeutschen Ausgabe mit Recht sagt – für östliche Historiker einen Meilenstein gesetzt.

Die laotische Tragödie

er 40 Jahre alte Autor ist ein gebürtiger Laote, der in Paris politische Wissenschaften studiert hat und heute seinem Heimatland als Finanzminister dient.

Die Stunde des Kurt Bendlin

Er sieht genauso aus, wie man sich einen Athleten vorstellt: jung, groß, stark – ein Bilderbuch-Olympionike. Und er ist ein Kämpfer, mutig, konzentriert, kraftvoll – ein Goldmedaillen-Favorit für Mexiko.

Der beste Bungert

Claude Lister ist ein schlanker, älterer Herr mit grauen Schläfen und leiser Stimme. Er ist das, was man einen distinguierten Mann mit einem Hang zum Snob-appeal nennt.

Das Kasseler Duell der Athleten-Könige: Leidensweg der zehn Stationen

Im Auestadion in Kassel probten die Paradepferde des deutschen Sports, die Zehnkämpfer, für Mexiko. Da die DDR-Asse Tiedtke (7904 Punkte) und Klauß (8,07 m im Weitsprung und 7889 Punkte) mondweit entfernt und unerreichbar sind, und auch der Balte Aun, der jetzt Bendlin den Fünfkampf-Weltrekord entriß, nicht nach Kassel kam, mußte der "Trainingspartner" aus Kalifornien herbeigeflogen werden: Bill Toomey, 1967 Weltbester mit 8234 Punkten und 1968 wiederum mit 8030 Punkten.

+ Weitere Artikel anzeigen