Zum fünftenmal seit 1965 trafen sich vorige Woche US-Präsident Johnson und sein südvietnamesischer Alliierter, Präsident Thieu. Zum zweitenmal diente Honolulu auf Hawaii als Tagungsort. Doch zum erstenmal war nicht eine weitere Eskalation, sondern eine mögliche Beendigung des Vietnamkrieges das beherrschende Thema der Gipfelkonferenz.

Da die südvietnamesische Regierung einen Verzichtfrieden mehr fürchtet als den mit amerikanischer Hilfe geführten Krieg, versuchte Johnson Saigon zu beruhigen: Die Amerikaner werden – wie das Abschlußkommunique verhieß – eine politische Lösung des Konfliktes nicht gegen den Willen Südvietnams erzwingen und die Regierung Thieu an Friedensverhandlungen "an führender Stelle" beteiligen.

Die südvietnamesische Armee soll bis zum Jahresende auf eine Stärke von 800 000 Mann gebracht und beschleunigt mit modernen amerikanischen Waffen ausgerüstet werden. Sie soll den größeren Teil der alliierten Kriegsanstrengungen übernehmen. Eine Beendigung des Bombenkrieges komme so lange nicht in Frage, wie Nordvietnam nicht zu erkennen gebe, daß es daraus keinen militärischen Nutzen ziehen will.

Die "Washington Post" berichtete aus Saigon, man stelle sich allmählich darauf ein, daß die USA ihr Bombardement bald, vielleicht kurz vor Beginn des Konvents der Demokraten am 26. August, einstellen würden – wenn die andere Seite nur eine entsprechende Geste mache. Tatsächlich zeigte Nordvietnam in den vergangenen Wochen auffällige Zurückhaltung auf dem Kriegsschauplatz.

Zu alledem gab Hanoi am vorigen Donnerstag zu erkennen, daß es nicht mehr voll auf dem Vier-Punkte-Friedensprogramm der Nationalen Befreiungsfront (NLF) von 1965 besteht. Die politische "Selbstbestimmung" Vietnams, so ließ das Außenministerium in Paris erklären, müsse "im Geiste" des Programms (nicht mehr: "in Übereinstimmung mit...") erfolgen.

Doch die Hoffnungen auf Entspannung in und um Vietnam trogen: Nach dem "harten" Gipfel von Hawaii nahm der Vietcong die Kämpfe wieder auf.