R. S., Bonn, im Juli

Das Wort Popanz ist tschechischen Ursprungs. Es bedeutet eine (meist vermummte) Schreckgestalt. In dem "Schwarzen Löwen", der als Bundeswehrmanöver in der Nähe der ČSSR-Grenze auftreten sollte, hätten die Tschechen wohl nicht einmal einen Popanz erblickt. Sie wußten freilich, wie andere sich dieses Gespenstes bedienen würden: "Die "Prawda" ließ ihren Bonner Korrespondenten neben der "konterrevolutionären Propaganda" Bonns gegen Prag schon das "Rattern von Panzerketten" hören, obwohl das Manöver erst in zwei Monaten stattfinden sollte. Es war bereits im letzten Herbst angesetzt worden, zu einer Zeit also, als in Prag noch Novotny am Ruder war.

Von den drei Bundeswehrkorps hält jedes Jahr eines ein Manöver ab, und zwar in dem Raum, in welchem es seinen Abwehrauftrag im Ernstfalle zu erfüllen hätte. 1968 ist das II. Korps (Ulm) an der Reihe.

Mit dem "Schwarzen Löwen" aber wollte Moskau die Prager das Gruseln lehren. Deshalb war es gut, daß Bundeskanzler Kiesinger, nachdem über die Zweckmäßigkeit des Manövers ein unerfreulicher Parteienstreit entstanden war, den Verteidigungsminister aufforderte, eine räumliche und zeitliche Verlegung zu veranlassen. Schröder, zur Zeit in Washington, stimmte telegraphisch zu. Etwas mehr Flexibilität des Ministers hätte uns manchen parteipolitischen Lärm erspart.