Kaum war über die Millionenpleiten diverser Fonds-Gesellschaften wie beispielsweise Vacanza, Sun Invest und die Eurotel-Gruppe etwas Gras gewachsen, hat es ein Staatsanwalt wieder abgefressen.

Im Mittelpunkt des neuesten Kraches steht die Bonner Wirtschaftsdienst GmbH & Co KG. Das bis vor Jahresfrist kaum bekannte Finanzmaklerunternehmen hatte sich darauf spezialisiert, "gute, aber notleidend gewordene Bauprojekte aus Zwangsversteigerungen oder aber von Finanzierungsinstituten zurückzunehmen und zu erwerben".

So heißt es in einem voluminösen Werbeprospekt. In einer beigefügten Liste werden 472 bisher geworbene Teilhaber genannt – unter ihnen viele Ärzte, Anwälte, Architekten. Das Publikum wird gebeten, Kommanditanteile dieser nach bewährtem Muster ziemlich unverbindlich konstruierten Gesellschaft zu zeichnen – Mindesteinlage 10000 Mark.

Dieser Prospekt war es, der den Staatsanwalt auf den Plan rief. Denn der Diplomkaufmann, Kawitzke, seine Ehefrau Gisela sowie ein Siegfried Piotrowski, die drei selbsternannten Geschäftsführer dieses Unternehmens, lockten ihre Geldgeber mit einer äußerst attraktiven Rendite. Pro Jahr versprachen sie mindestens 20 Prozent. Der Bonner Staatsanwaltschaft schien das zu schön, um wahr zu sein.

Tatsächlich hatte das Bonner Unternehmen in der Vergangenheit mindestens 20 Prozent ausgeschüttet. Kritiker aber argwöhnen: Die Ausschüttung soll aus der Einlage neu Angeworbener bezahlt worden sein.

Der Bonner Wirtschaftsdienst führte früher der Kölner Firma Realboden AG Aktionäre zu und zuvor – als das Unternehmen ebenfalls noch eine GmbH & Co KG war – potentielle Kommanditisten.

Am 21. Februar aber mußte die Realboden-Geschäftsführung zum Konkursrichter gehen, der den Konkurs inzwischen mangels Masse einstellte. Fazit: 1000 Geschädigte, mit einer Schadenssumme über 23 Millionen Mark.

Diplomkaufmann Kawitzke weist den Verdacht der polizeilichen Untersuchungen weit von sich. "Diese Bilanzen stimmen, die Gewinne sind echt." Den staatsanwaltlichen Ermittlungen will er mit Ruhe entgegensehen. Der Staatsanwalt aber erwirkte einen Haftbefehl. k.