Die afrikanischen Regierungs- und Staatschefs konnten den erbarmungslosen Krieg auf ihrem Kontinent nicht länger ignorieren. Auf der Konferenz der "Organisation für Afrikanische Einheit" in Niamey/Niger veranlagten sie die Vertreter von Nigeria und Biafra, sich an einen Tisch zu setzen.

Bislang hatten sie diesen Eingriff in den nigerianischen Konflikt gescheut. Sie waren von dem Prinzip ausgegangen, dieser Krieg zwischen Nigeria und seiner abgefallenen Ostprovinz Biafra sei eine "innere Angelegenheit" Nigerias, die eine Einmischung verbiete. Erst als Tansania, die Elfenbeinküste, Sambia und Gabun die abgefallene Ostprovinz diplomatisch anerkannten und die Vernichtung des ganzen Ibo-Stammes durch die Truppen der nigerianischen Zentralregierung drohte, wurde dem übrigen Afrika klar, daß es nun eingreifen müsse. Der Schlichtungsversuch zeigte schon einen ersten Erfolg: Die Delegationen aus Lagos und Biafra beschlossen, nächste Woche in Addis Abeba mit Friedensgesprächen zu beginnen.

Aber noch ist der Weg zum Frieden weit, und noch ist auch das Problem nicht gelöst, wie Lebensmittel und Medikamente nach Biafra geschafft werden können. Biafra wiederholte seine alten Vorschläge, eine Luftbrücke einzurichten oder den Hafen Port Harcourt zu entmilitarisieren. Lagos dagegen möchte nur einen Landkorridor zugestehen, auf dem Nahrungsmittel und Medikamente in die eingeschlossene Provinz eingefahren werden können. Dieser Korridor soll, so schlagen sie vor, unter internationaler Kontrolle stehen.

Die Notwendigkeit, diese Fragen jetzt schnell und wirksam zu lösen, ist größer denn je. Täglich sterben in Biafra über tausend Menschen den Hungertod. Zwar sind allenthalben auf der Welt Rettungsaktionen angelaufen, Geld ist gesammelt worden, Medikamente und Lebensmitteltransporte wurden – zusammengestellt, doch konnte bisher nur ein ganz geringer Bruchteil dieser Hilfe in das eingeschlossene Biafra gebracht werden.

Die Aufrufe in der Bundesrepublik, der hungernden Bevölkerung von Biafra zu helfen, haben bereits über vier Millionen Mark der "Förderungsgesellschaft Afrika" eingebracht, zwei Millionen Mark mehr als die Bundesregierung bereitgestellt hat.

Von der der Küste vorgelagerten spanischen Insel Fernando Po aus fliegt nachts der amerikanische Luftreeder Hauk Wharton Lebensmittel und Medikamente nach Biafra. Flugzeuge, die am Tage starten, werden von den Truppen der Zentralregierung unter Beschuß genommen. Seit März hat er für die katholische Caritas über dreißig Flugzeugladungen geflogen, für das Rote Kreuz und evangelische Hilfsorganisationen über fünfzehn.

In Fernando Po – fünfundvierzig Flug-Minuten vom Zentrum Biafras entfernt – stapeln sich Lebensmittel und Medikamente, mittlerweile sind es 500 Tonnen. Selbst in Lagos wurden Rettungsaktionen in Gang gesetzt. Hier stehen 2000 Tonnen Lebensmittel zum Abtransport bereit.