Da tröstet es denn doch, daß der deutschen Botschaft in Paris ein Fernschreiben zuging, in dem die Zentrale in Bonn zu wissen begehrte, in welchen der folgenden Sachbereiche die französische Regierung sich wohl bereit zeigen würde, die Wirtschaftsunion der EWG zu errichten: Angleichung der indirekten Steuersätze (die Bonns Finanzministerium ablehnt), Weiterbau der gemeinsamen Verkehrspolitik, verstärkte konjunktur- und währungspolitische Zusammenarbeit oder gemeinsame Außenhandelspolitik (vom EWG-Vertrag zwingend vorgeschrieben, von Deutschland als einzigem EWG-Land bisher abgelehnt). Es könnte sich auch als deutsche Illusion erweisen, daß die Kommission es nicht riskieren würde, eine Mitgliedsregierung vor dem europäischen Gerichtshof zu verklagen, falls sie sich gegen eine gemeinsame Handelspolitik stemmt.

Das Bonner Fernschreiben läßt bei dem Beobachter erstmals seit acht Jahren den Verdacht entstehen: Gibt es vielleicht doch noch eine Zielplanung in der deutschen Europapolitik?

Die europäischen Kommunisten jedenfalls erkennen, daß in Brüssel etwas geschieht. Die bisher in den sozial- und wirtschaftspolitischen Konsultationsgremien der Gemeinschaft nicht zugelassenen roten Gewerkschaften Italiens und Frankreichs, CGIL und CGT, wollen mitarbeiten. Lionello Levi-Sandri, italienischer Vizepräsident der Kommission, erhörte endlich die Serie der Appelle, mit denen die kommunistischen Gewerkschaften (genauer: das mit einer Dame besetzte Einmann-Sekretariat in Brüssel) die Kommission bombardiert. Er traf sich mit einem CGT-Funktionär in Paris.