Frankreichs neuer Premier, Couve de Murville, hat die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in die Frankreich durch die Mai-Revolution geraten ist, ein wenig beschönigend als "Unfall" bezeichnet. Ob diese Charakterisierung gerechtfertigt ist oder ob es sich nicht viel eher um einen Akt wirtschaftlicher Selbstverstümmelung gehandelt hat, steht dahin. In jedem Fall hat die französische Wirtschaft Verletzungen davongetragen, von denen sie sich nicht so rasch erholen wird und die darüberhinaus der gesamten EWG zu schaffen machen werden.

Frankreich kann sich indessen nicht darüber beklagen, daß es auf Seiten der europäischen Partner an Erster Hilfe und Sympathiebeweisen gefehlt hätte. Die Europäische Kommission in Brüssel hat die französischen Importrestriktionen nachträglich zwar nicht gutgeheißen, aber immerhin sanktioniert. Freilich mit einer entscheidenden Auflage: Die Einfuhrbeschränkung für Automobile soll bis Ende Oktober, die für die übrigen Güter bis spätestens zum Jahresende wieder aufgehoben werden. Das ist eine faire Lösung, die auch die Bundesrepublik als größten Handelspartner Frankreichs nicht allzu hart trifft.

Es bleibt zu hoffen, daß die Franzosen die Schonzeit, die ihnen damit gewährt worden ist, nutzen und daß der "Unfallkranke" sich nicht zu einem "Eingebildeten Kranken" entwickelt, der ohne protektionistische Spritzen nicht mehr leben zu können glaubt. W. B.