Der Worte wurden viele gewechselt auf dieser 4. Vollversammlung des Weltkirchenrates in Uppsala. Verurteilt wurde der Bombenkrieg in Vietnam, verdammt die Waffenlieferungen in Spannungsgebiete; gebrandmarkt wurden Ungerechtigkeit, Rassismus, Not und Elend, Es war sicher das weltlichste Konzil der Ökumene. Sechzehn Beratungstage wurden beherrscht von der fast verzweifelten Suche nach einer neuen Humanität – sowie von dem Bekenntnis, für eine Weltgerechtigkeit in einer Weltgemeinschaft mit den Mitteln einer Weltkirche streiten zu wollen. Dazu wird auch bald, wohl schon 1973 zur 5. Vollversammlung, die katholische Kirche als Mitglied der ökumenischen Bewegung beitragen. Der Ökumenismus – das wäre, auf eine knappe Formel gebracht, der Ertrag von Uppsala – ist auf dem Wege zum Humanismus.

Nicht zu verkennen freilich sind die Gefahren, die am Wege lauern: Daß die 235 oft recht verschiedenen Kirchen, die sich im Weltrat vereinigt haben, unter den Anforderungen des Alltags ihr Mut zum Wandel wieder verläßt; daß sie, allen Beteuerungen und Versprechungen zum Trotz, zu der resignierenden Einsicht gelangen, sie seien zu schwach gegenüber der Allmacht der Staaten; daß sie, um in der Welt zu wirken, am Ende selber verweltlichen. Kirche muß auch da, wo sie für die Armen, Verfolgten und Hungernden Partei ergreift, Kirche bleiben. Sie darf nicht zur Magd weltlicher Gewalten werden.

Die Probe steht noch aus, ob sich der Ökumenismus davor bewahren kann, zu einer Ersatzreligion abzugleiten, die zu nichts verpflichtet als zu wortreichen Deklamationen. D. St.