Die Hochschule für Gestaltung in Ulm hat Aussichten, den 30. September zu überleben. Im Winter hatten das baden-württembergische Kabinett und die Geschwister-Scholl-Stiftung beschlossen, die Hochschule zu diesem Termin der Ulmer Ingenieurschule ein- oder anzugliedern. Aus Protest dagegen hatten die Dozenten und Studenten ihrerseits die völlige Auflösung der Hochschule zum 30. September angedroht.

Inzwischen hat sich die neue Regierung der alten Großen Koalition in Baden-Württemberg eines Besseren belehren lassen. Das weltweite Aufsehen, das der Auflösungsbeschluß hervorrief, bewog sie, der Hochschule für das kommende Jahr wieder 900 000 Mark zur Verfügung zu stellen.

Gerade noch rechtzeitig, auf seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause, beschloß der Landtag – gegen den Willen seines Finanzausschusses – dem Antrag der Regierung zu folgen.

Drei Tage vor dem Landtagsbeschluß war es im Finanzausschuß zu einer (wie der SPD-Abgeordnete von Hacht sagte) "Gesinnungskoalition" zwischen der CDU und der NPD gekommen, die gegen die Stimmen der SPD und der FDP die Regierungsvorlage ablehnte. Der Landtag hatte seine heißeste Debatte seit Jahren (wie überhaupt, liest man die alten Protokolle, immer etwas los war, wenn Ulm auf der Tagesordnung stand). Diesmal konnte die CDU der Versuchung, mit Hilfe der NPD der lästigen Schule den Todesstoß zu versetzen, kaum widerstehen. Vor der Abstimmung im Plenum gelang es jedoch Ulmer CDU-Vertretern, einen Teil ihrer Fraktion umzustimmen.

Das Geld ist also bewilligt. Freigegeben wird es jedoch erst, wenn bis zum Jahresende eine Reihe von Forderungen des Landtages erfüllt sind. Einige dieser Forderungen betreffen die innere Verfassung der Hochschule. Sie soll neue Bestimmungen über die Zulassungsvoraussetzungen der Studenten, die Studien- und Prüfungsordnung, die Berufung und die Nebentätigkeit der Dozenten erlassen. Diese Forderungen, sagte Rektor Ohl der ZEIT, seien akzeptabel und gingen zum größten Teil nicht über das hinaus, was in Ulm ohnehin praktiziert werde. Die Studenten scheinen jedoch nicht der gleichen Meinung zu sein.

Einige andere Forderungen, die der Landtag gestellt hat, sind nicht an die Schule gerichtet: Die Stadt Ulm soll wieder ihren Zuschuß von 200 000 Mark leisten, und private Spenden sollen den gestrichenen Bundeszuschuß von 200 000 Mark ausgleichen. Auch das wird sich machen lassen.

Außerdem soll die Hochschule, damit sie auf die Dauer gesichert ist, einer Körperschaft angeschlossen werden, die staatlicher Finanz- und Verwaltungsaufsicht untersteht. Von einem Anschluß an die Ingenieurakademie Ulm wird dabei nicht mehr gesprochen. Allen Beteiligten erscheint eine Verbindung mit der Technischen Universität Stuttgart als sinnvollste Lösung.