ZEITSPIEGEL

"Wir sind kein politisches Volk geworden, sondern begnügen uns wiederum mit einer bloß privaten Existenz, der die gespenstige Abstraktheit unserer politischen Routine entspricht." Professor Ernst Steinbach,

Tübinger Theologe,

in einer Gedenkfeier zum 20. Juli 1944

"Wenn mich die Leute wählen, werde ich mich auch an die Arbeit machen – selbst auf die Gefahr hin, daß ich mich im Pankraz-Gefängnis wiedersehen werde."

Rudolf Barak,

Ex-Innenminister der ČSSR

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"Der Schlüssel zu einer Neuordnung des Regierungssystems im Interesse der Menschheit liegt in intellektueller Freiheit."

Professor Andrei Sacharow,

sowjetischer Atomphysiker

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"Mir graut vor dem Tag, der kommen wird, an dem einige nichtweiße Nationen – zum Beispiel Vietnam – imstande sind, dem Westen alles heimzuzahlen. Sie haben eine lange und blutige Rechnung zu begleichen."

James Baldwin,

amerikanischer Negerschriftsteller

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"Die Studentenunruhen in aller Welt haben ihren Ursprung schon in der Wiege. Die Mütter haben aufgehört, ihre Kinder selbst zu stillen, und ernähren sie schon gleich nach der Geburt mit Kuhmilch. Deswegen entwickeln sich bei ihnen Instinkte von Kühen."

William V. S. Tubman,

Staatspräsident von Liberia

"Ich glaube nicht, daß wir wieder in die Eiszeit zurückversetzt werden."

Willy Brandt,

über das Verhältnis Bonn–Moskau

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"Er denkt, was ich sage."

Franz Josef Strauß,

über Kurt Georg Kiesinger

"Nullen stehen immer rechts."

Johannes Rau,

Düsseldorfer SPD-Fraktionschef

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"Im kosmopolitischen Getriebe unserer Stadt sind Schützenvereine ein seelischer Kontrapunkt." Professor Herbert Weichmann,

Hamburger Bürgermeister

Tauber Becher

Während Verteidigungsminister Schröder, wenn auch erst auf Kiesingers Drängen, das Bundeswehr-Manöver "Schwarzer Löwe" an der tschechoslowakischen Grenze abblies, stellt sich sein Parteifreund Walter Becher taub. Er will ein für Ende August geplantes Treffen von 25 000 Egerländern in Schirnding an der bayerisch-tschechoslowakischen Grenze nicht verschieben. Becher, CSU-Abgeordneter und Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, hörte nicht auf die Bedenken aus den eigenen Reihen. Es sei, so wies er seine Kritiker zurecht, nur ein Kirchweihfest, zu dem auch der jetzige Bürgermeister und Gemeinderat Egers eingeladen worden seien. Der Grund für CDU-Befürchtungen: Becher wird dort reden.

Kein Placet

Grönland bleibt dänisch. Der Regierung in Kopenhagen war es die Demonstration ihrer Souveränität über die Insel im hohen Norden wert, ein Programm zur Erforschung der Sonnenflecken zu verzögern. Seit die Vereinigten Staaten ihren militärischen Stützpunkt in Thule errichteten, glaubten sie nie so recht, auf fremdem Territorium zu stehen. Häufig erfuhr man in Kopenhagen zu spät oder nur ungenau, was der NATO-Partner auf Grönland unternahm. Als jetzt die Amerikaner um die Genehmigung baten, 50 Forschungsraketen abzuschießen, waren sie ihrer Sache sicher: Die Raketen waren bereits in Grönland eingetroffen. Aber das Kopenhagener Placet blieb aus. Sollte der Antrag nächstes Jahr jedoch in angemessener Frist wiederholt werden, so ließ Außenminister Poul Hartling verlauten, stände einer Genehmigung nichts mehr im Wege.

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50 Millionen Kommunisten

Das US-Außenministerium hat sich die Mühe gemacht, die Kommunisten aller Länder zu zählen. Obwohl nach den letzten Erfahrungen mit der französischen KP dieses Material keinen Aufschluß über das revolutionäre Potential der einzelnen Länder gibt, sind einige Zahlen doch interessant: Die KP Chinas ist mit 17 Millionen Mitgliedern die größte der insgesamt 88 kommunistischen Parteien. In Griechenland war die "drohende Gefahr", die zum Staatsstreich der Offiziere führte, das Werk von 28 000 Mitgliedern der KPG. Nun mag vielen die Erkenntnis neu sein, daß es in der britischen Kronkolonie Hongkong keine Kommunisten gibt. Verständlich aber ist, daß das einzige Land, in dem die Amerikaner keine Schätzung wagten, Südvietnam ist.

Grenzkonflikt

Die Beziehungen Indiens zur Sowjetunion haben sich abgekühlt. Streitpunkt: ein Atlas. Der von den Indern als "kartographische Aggression" bezeichnete Anlaß zum Zorn ist ein russischer Weltatlas in englischer Sprache, in dem zwei Himalaja-Grenzgebiete, die Indien als sein Territorium betrachtet, als chinesisches Gebiet ausgewiesen sind. Das Außenministerium in Neu-Delhi will von diesen "Ungenauigkeiten" die Sowjets in Kenntnis setzen: "Drastischer können wir nicht vorgehen."

Vertauscht

Durch ein technisches Versehen wurden die Bildunterschriften auf der Seite "Themen der Zeit (S. 26) vertauscht.