FÜR Leser, die mit dem Kommunisten Ernst Fischer Optimismus für verbrecherisch halten – Samuel Beckett: "Film" / "He Joe" in drei Sprachen, Deutsch von Erika und Elmar Tophoven; Suhrkamp Verlag, Frankfurt; 76 S., Abb., 12,– DM.

ES ENTHÄLT das Drehbuch zu dem Dreißig-Minuten-Film, den Beckett mit Buster Keaton drehte, und den Text seines bisher einzigen Fernsehspiels – alles im englischen Original mit gegenübergestellter deutscher Übersetzung und im Anhang Becketts eigene französische Übertragung; dazu sechzehn Abbildungen.

ES GEFÄLLT wiederum die mustergültige Edition dieses kleinen Bandes, die der der "Dramatischen Dichtungen" entspricht. Der "Film" ist die Veranschaulichung eines philosophischen Aperçus, auf der Leinwand wahrscheinlich nicht, sondern nur durch die Lektüre dieses Textentwurfs verständlich: Sein ist Wahrgenommenwerden, Wahrgenommenwerden ist Qual, aber wer auch der Wahrnehmung durch andere entrinnt – der Selbstwahrnehmung entrinnt er nicht. Ein einziges Wort fällt in dem Film, der einen Mann auf der vergeblichen Flucht vor dem Wahrgenommenwerden zeigt: "Psst." Der Mann, den das Fernsehspiel "He Joe" in einer einzigen Einstellung zeigt, schweigt ganz: Er lauscht einer Flüsterstimme, die ihn unerbittlich mit früherer Schuld konfrontiert. Beide Stücke sind in ihrer äußersten Reduktion, in der jedes Wimpernzucken wichtig werden kann, gegen die Gattung geschrieben, der anzugehören sie vorgeben; beide widerlegen sie wieder einmal die Legende, daß Beckett schwer verständlich sei (obwohl natürlich die Implikationen seiner Stücke unermeßlich bleiben); beide Stücke sind kleine Arbeiten und zeigen doch einen "ungeheuren Autor" (Adorno) am Werk. Dieter E. Zimmer