Hannover

Schweigsamkeit sagt man den Norddeutschen weit eher nach denn Redseligkeit. Und was die Gesprächigkeit der Volksvertreter anbetrifft, könnte man der gleichen Meinung sein, wenn da nicht die FDP in Hannover auf der Oppositionsbank säße und redete und redete und redete...

Ein Jahr nach Beginn der VI. Legislaturperiode, ein Jahr nach zwangsläufiger Oppositionsgemeinschaft mit der NPD, weist sie ihre Erfolgsstatistik aus. Die Abgeordneten waren fleißig, in der Tat: 10 FDP-Abgeordnete redeten in den 25 Sitzungen des verflossenen Parlamentsjahres 253mal, 60 SPD-Parlamentarier schafften es dagegen auch nur 258mal, 59 CDU-Vertreter 255mal, und die NPD schließlich, gleich stark wie die FDP vertreten, bat 126mal ums Wort vor dem Plenum.

Ähnlich erfolgreich gibt sich die niedersächsische FDP-Fraktion in der Statistik der parlamentarischen Zwischenrufe. Was sonst verpönt, weil sachliche Arbeit hemmend – im Landtag als mutige Demonstration parlamentarischen Bienenfleißes registriert, fast 100mal pro Sitzung, etwa jedes dritte Mal als Pluspunkt für die freidemokratische Strichliste.

Aber auch Böses weist die Statistik nach: Zwar traten bei den Oppositionsparteien sämtliche Abgeordneten als Redner in Erscheinung. Bei der SPD jedoch haben 10 von 59 Abgeordneten weder Reden gehalten noch Zwischenrufe gemacht. Weitere 4 SPD-Volksvertreter haben lediglich – immerhin – Zwischenrufe gemacht. Hört, hört!

Verfasser der Statistik: Winfrid Hedergott, Fraktionsvorsitzender der, FDP im niedersächsischen Landtag: 110 Reden, 561 Zwischenrufe, „Spitzenredner“ seit 1955. D. S.