Gelegenheit macht Diebe – die Mehrwertsteuer verführt zu Preiserhöhungen. Außerdem liefert sie einen plausiblen Vorwand

Geld macht sinnlich. Diese Feststellung ist nicht mehr sonderlich originell, aber es gibt einige Beobachtungen, die wieder einmal daran erinnern.

Was soll das eigentlich heißen: Geld macht sinnlich? Doch wohl dies: Die Faszination, die diese bunten Scheine, mit denen wir uns so viele Wünsche erfüllen können, auf viele Menschen ausübt, diese Faszination weckt oft ein Verlangen, das der Vernunft wenig Raum läßt. Andererseits wird aber auch viel Witz und Verstand aufgewendet, dieses Verlangen zu stillen.

Nun, es gehörte gar nicht einmal so viel Witz dazu, die Möglichkeiten zu erkennen, die die Einführung der Mehrwertsteuer bot.

Lassen wir einmal jene Tante-Anna-Läden des Einzelhandels beiseite, die auf ihre Preise einfach zehn Prozent aufschlugen, weil sie es nicht besser wußten. Reden wir auch nicht von einigen Parkhäusern, die seit Januar der Einfachheit halber 55 Pfennig für die Stunde berechnen, die vorher 50 Pfennig gekostet hatte.

Ärgerlich war es schon, wenn die Gastwirte so taten, als ob ... und auf die Speisekarte schrieben: Die Preise wurden um vier Prozent gesenkt und darauf die Mehrwertsteuer aufgeschlagen. So einfach ist das mit der Mehrwertsteuer nun auch nicht gewesen.

Doch klagen wir nicht, es ging ganz gut mit der Umstellung des Umsatzsteuersystems. Am Jahresanfang saß den Leuten der Schreck der Rezession noch so in den Knochen, daß Preiserhöhungen ein Tabu waren. Doch die Zeiten änderten sich. Im Juli war man kecker.