Von Willi Bongard

Die russischen Kosmonauten sollen es mit in den Weltraum genommen haben. (Ob sie auch ihren Durst damit gelöscht haben, steht dahin.)

Den deutschen Kriegsgefangenen in Rußland ist es als ein etwas fades, leicht säuerliches Gebräu in Erinnerung.

Rußland-Touristen bietet es sich als dankbares Photomotiv an, wie es in Moskau aus unansehnlich grauen, jauchefaßähnlichen Tankwagen auf offener Straße für wenige Kopeken eingeschenkt wird: Kwas, das russische Nationalgetränk.

Den bundesdeutschen Verbrauchern empfiehlt sich das „aus kernigem Roggenbrot hergestellte“ Kwas seit kurzem als „ein As unter den alkoholfreien Getränken“, dessen Gesundheitswert durch seinen hohen Vitamingehalt und seine wichtigen Spurenelemente unübertroffen“ ist.

Wer den westdeutschen Getränkemarkt mit seiner unendlichen Vielfalt des Angebots – vor allem auch alkoholfreier Getränke – auch nur halbwegs kennt, der kann sich nur wundern, daß eine deutsche Brauerei das Wagnis auf sich genommen hat, ein so absonderliches Gebräu wie Kwas auf die Getränkekarte zu setzen. Vielleicht aber wollte Egon Wüstenhöfer, Vorstandsmitglied der westfälischen Isenbeck-Brauerei, auch nur seinen privaten Beitrag zur Entspannungspolitik liefern. Es scheint jedenfalls, als ob er im Laufe der Verhandlungen über eine Kwas-Alleinlizenz für die Bundesrepublik Freundschaft mit dem Sowjetbotschafter Zarapkin geschlossen hat.

Vorübergehend ist es Wüstenhöfer sogar gelungen, dem „Alleinvertretungsanspruch“ der Bundesrepublik in Moskau Geltung zu verschaffen: Das sowjetische Außenhandelsministerium genehmigte überraschend ein Flaschenetikett für das deutsche Kwas-Produkt mit der Aufschrift „Alleinlizenz für Deutschland“. Als ob es die Deutsche Demokratische Republik nicht gäbe.