Als „Friedenskandidat“ hatte sich Rechtsanwalt Dzu bei den Präsidentschaftswahlen im vorigen Jahr an zweiter Stelle hinter dem Generals-Gespann Thieu/Ky placiert. Am vorigen Freitag wurde er von einem Militärgericht in Saigon zu fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt – schuldig, „den antikommunistischen Geist des vietnamesischen Volkes und seiner Streitkräfte zu untergraben.“

Das Urteil, gegen das es keine Berufung gibt, basiert auf Interviews, die Dzu im April vorigen Jahres der Londoner „Times“ und der Nachrichtenagentur UPI gegeben hatte. In ihnen hatte der Rechtsanwalt eine Koalitionsregierung als „eine mögliche Lösung für das südvietnamesische Problem“ bezeichnet, „weil es in der Nationalen Befreiungsfront (NLF) viele nichtkommunistische Elemente gibt“.

Dzus Beziehungen zum Norden sind alt: In den fünfziger Jahren war er Kompagnon von Nguyen Hun Tho gewesen, jetzt Vorsitzender der NLF. Bei den Wahlen im vorigen Jahr gewann er mit 800 000 Stimmen il Prozent der südvietnamesischen Wähler – schon damals verleumdet als Kandidat eines „Friedens um jeden Preis“.

Nach dem Urnengang, bei dem die Generale 1,6 Millionen Stimmen gewannen, focht Dzu die Rechtmäßigkeit der Wahl an. Drei Tage später saß er im Gefängnis – angeblich wegen Devisenvergehen. Seither war der streitbare Jurist abwechselnd in Freiheit und in Haft.

Nach dem letzten Urteil, für das das Gericht weniger als drei Stunden brauchte, fürchtet seine Tochter, die in Kalifornien studiert, Dzu könnte das Gefängnis nicht mehr lebend verlassen.