Das Auge auf den Umstellungen bei den politischen Fernsehmagazinen, die die ARD für diesen Herbst angekündigt hat und die insgesamt eine wesentliche Verringerung der Sendezeiten mit sich bringen werden, hat das Institut für angewandte Sozialforschung in Bad Godesberg ermittelt, was eigentlich die Zuschauer von jenem Fernsehmagazin halten, an dem sich Unlust oder Zustimmung immer noch am deutlichsten zeigen müssen: von „Panorama“. Die Ergebnisse sind in verschiedener Hinsicht aufschlußreich.

„Wenn Panorama über den Bildschirm läuft, schalten regelmäßig 18 Prozent des Fernsehpublikums ihr Empfangsgerät ein; weitere 33 Prozent schalten sich ab und zu ein, und nochmals weitere 18 Prozent nur in seltenen Fällen. Das sind im Durchschnitt über 20 Millionen Zuschauer. Nach Altersgruppen aufgeschlüsselt, wird Panorama regelmäßig oder gelegentlich von drei Vierteln der 24,– bis 45jährigen Bundesbevölkerung gesehen...“

Das Interesse ist also außerordentlich hoch. Aber sehen die Leute vielleicht nur, um Anstoß zu nehmen?

„Drei Viertel der befragten Panorama-Zuschauer beurteilen die Sendung als ‚sehr gut‘ oder ‚gut‘; nur ein Fünftel antwortete ‚nicht so gut‘ oder ‚gar nicht gut‘. Hervorgehoben wurden vor allem die Eigenschaften ,informativ‘ (59 Prozent), ‚glaubwürdig‘ (55 Prozent) und ‚mutig‘ (50 Prozent). 25 Prozent der fernsehenden Bevölkerung hielt Panorama gar für ‚unentbehrlich‘ ...“

Die Zahlen sprechen für sich selbst. Eine plebiszitäre Ausrede für die Verminderung der zeitkritischen Magazine hat die ARD somit nicht. Das Publikum hat nicht genug; wenn jemand genug hat, dann müssen es die Programmverantwortlichen selber sein.

Der zweite Teil der Untersuchung aber ist noch erstaunlicher.

„Obwohl das Panorama-Publikum sich zu einem größeren Teil als die Gesamtbevölkerung aus mehr als einer Quelle informiert und auch häufiger von den zahlreichen Informationsmöglichkeiten Gebrauch macht, unterscheidet sich sein Meinungsbild nicht von dem der Gesamtbevölkerung. Feststellbar war lediglich eine größere Meinungsfreudigkeit... Eher gilt, daß Panorama bereits vorhandene Meinungen – welcher Art diese auch seien – bestärkt und polarisiert. Dieser Verstärkereffekt muß nicht immer zugunsten demokratischer Tendenzen wirken, er kann vielmehr... ebenso vorhandene reaktionäre Meinungen stärken. Besonders deutlich traten die Merkmale autoritärer Disponiertheit bei jenen Panorama-Zuschauern zutage, die gleichzeitig Leser der ‚Bild-Zeitung‘ sind.“