Die Antibabypille und alle anderen künstlichen Empfängnisverhütungsmittel bleiben für katholische Eheleute verboten. Das bestimmt die Enzyklika „Humanae Vitae“ (Menschliches Leben), die Papst Paul VI. am Montag in Rom verkünden ließ.

Auf einer Pressekonferenz erläuterte der Sprecher und führende Moraltheologe des Vatikans, Monsignore Lambruschini, den Inhalt des päpstlichen Rundschreibens. In dem Dokument hat Papst Paul VI. seine Überzeugung bekräftigt, daß „jeder eheliche Akt für die Weitergabe des Lebens geöffnet bleiben“ müsse, auch wenn er die Zeugung – im Gegensatz zur traditionellen Lehre – nicht mehr als einziges Ziel der Ehe herausstellte.

Eine „direkte Unterbrechung des bereits eingeleiteten Zeugungsvorganges“, „Schwangerschaftsunterbrechung, auch wenn sie aus therapeutischen Gründen geschieht“ und die „direkte dauernde und zeitweilige Sterilisation des Mannes oder der Frau“ werden als „unerlaubt“ verworfen.

Denn der Gebrauch empfängnisverhütender Mittel und Methoden verleitet nach Ansicht des Papstes zur ehelichen Untreue, zum Verfall der Moral, zum Verlust des Ansehens der Frau und könnte sogar zu einer „gefährlichen Waffe“ für politische Kräfte bei der Lösung sozialer Probleme werden. Die Enthaltsamkeit der Eheleute an den fruchtbaren Tagen der Frau bleibt mithin die einzig vertretbare Möglichkeit der Geburtenregelung.

Monsignore Lambruschini betonte, das päpstliche Rundschreiben „erneuert und bekräftigt die traditionelle Lehre vom Verbot jeder Form der Empfängsnisverhütung.“ Er bezog sich damit auf eine Erklärung Pius’ XII. von 1951, die die strenge Auffassung der Enzyklika „Casti Connubii“ von Papst Pius XI. aus dem Jahre 1930 bekräftigt hatte.

1963 setzte Johannes XXIII. einen Ausschuß ein, der aus 66 Gelehrten und 15 Kardinälen und Erzbischöfen bestand und der die Frage der Geburtenregelung neu überdenken sollte. Trotz der kanonischen Schweigepflicht wurden die beiden vertraulichen Gutachten des Ausschusses im April 1967 in der amerikanischen Zeitschrift „National Catholic Reporter“ veröffentlicht. Die Mehrheit, geführt vom Münchener Erzbischof Kardinal Döpfner, plädierte für eine Modifizierung der herkömmlichen Lehre, eine Minderheit unter Kardinal Ottaviani verteidigte die traditionelle Auffassung.

In der Spannung zwischen den Problemen der Bevölkerungsexplosion und der Familienmoral fällte Papst Paul VI. jetzt sein Urteil, das in der katholischen Welt eine stürmische Auseinandersetzung hervorgerufen hat. Monsignore Lambruschini bezeichnete die Enzyklika zwar als „authentisches Dokument“, nicht aber als „unfehlbare, unwiderrufliche Entscheidung.“