Von Ingeborg Zaunitzer-Haase

Ferienhaus-Starverkäufer Rudolf Ratzel Ge-

schäftsführer und Haupteigner der Contracta-Gesellschaft für Auslandsbesitz & Co. KG, war schlicht verblüfft. „Wenn diese Leute meine Aktien haben wollen und sie auch bezahlen – soll ich das Geld etwa nicht annehmen?

„Diese Leute“ – das waren die Herren Max Kawitzke und Siegfried Piotrowski, Geschäftsführer und Miteigner der Bonner Wirtschaftsdienst GmbH & Co. KG (BWD). Sie betrachten es als bevorzugte „volkswirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Zielsetzung“ ihres Unternehmens, „gute, aber notleidend gewordene Bauobjekte aus Zwangsversteigerungen oder aber von Finanzierungsinstituten... zu übernehmen und zu verwerten“.

Ihnen nun wollte Ratzel aus seinem Portefeuille Aktien für zehn Millionen Schweizer Franken verkaufen. Das ist die Hälfte des Grundkapitals der liechtensteinischen Contracta-Mutter Euroland AG. Über den Gesamtbetrag wurden Wechsel ausgestellt. Zwei davon – über je 250 000 Fränkli – kassierte Ratzel sofort in bar.

Just dieser Handel mit Contracta war für die Bonner Staatsanwaltschaft aktueller Anlaß zu Ermittlungen gegen BWD. Kawitzke und – vorübergehend – auch Piotrowski wurden verhaftet. Rudolf Ratzel schlug die Hände über dem Kopf zusammen und trat – weil er sich arglistig getäuscht sah – vom Vertrag mit BWD zurück. Jetzt grübelt er mit Hilfe seiner Anwälte während eines „Arbeitsurlaubs“ in seinem Schwarzwaldhaus in Schönwald Tag und Nacht darüber, wie er das Geld, das er von BWD annahm, wieder loswerden kann.

Schon kurz zuvor war Ratzel stutzig geworden. Drei Briefe trudelten im Contracta-Amtssitz in der Stuttgarter Leuchnerstraße ein. Übereinstimmend hieß es darin, man komme auf das von BWD unterbreitete Angebot zurück und wolle nun als BWD-Kommanditist die Hälfte des Kaufpreises eines Contracta-Hauses mit einer BWD-Kommanditbeteiligung bezahlen.